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Reaktionen in Großbritannien : Du hast einen Freund in mir

Was gesagt werden muss: Theresa May im Weißen Haus Bild: AP

Die englische Premierministerin Theresa May hat in Washington eine Charmeoffensive gestartet – in Großbritannien geht das vielen zu weit. Was aber verbindet sie mit Trump?

          4 Min.

          Von „meiner Maggie“ soll Donald Trump gesprochen haben, bevor Theresa May ins Flugzeug nach Amerika stieg. Das muss die britische Premierministerin beflügelt haben. Als Margaret Thatcher vor 36 Jahren ihren Antrittsbesuch bei Ronald Reagan machte, war sie so voll des Lobes für den umstrittenen Novizen im Weißen Haus, dass sich viele in Europa die Augen rieben. „Wir in Britannien stehen an Ihrer Seite, Amerikas Erfolg wird unser Erfolg sein, Ihre Probleme werden unsere Probleme sein, und wenn Sie einen Freund suchen, werden wir da sein“, sagte Thatcher. Bei May hieß es nun: „Als Ihr erster Freund und Verbündeter unterstützen wir viele Prioritäten, die Ihre Regierung für Amerikas globales Engagement vorgestellt hat. Unsere beiden Länder haben die Verantwortung zu führen.“ Viele hatten einen anderen Ton erwartet.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Wäre es nicht angemessen gewesen, fragte sich so mancher, hätte Trumps erster Gast aus Europa einen Hauch von Kritik oder wenigstens Distanz zu erkennen gegeben? May schmiss sich in ihrer Rede vor republikanischen Kongressmitgliedern geradezu an den Präsidenten heran. „Wegen Ihres großartigen Sieges kann Amerika stärker, großartiger und selbstbewusster werden in den nächsten Jahren, und ein ermutigtes, selbstsicheres Amerika ist gut für die Welt“, sagte May. Anerkennend hob sie hervor, dass sich Trump gegen alle Kritiker und Meinungsumfragen durchgesetzt habe. Auch sie sei eine Konservative, die daran glaube, dass man die Macht zurück „in die Hände des Volkes“ geben müsse, sagte sie. Sie empfinde es als „Ehre“, ihre Rede jetzt zu halten, wo „die Sonne über eine neue Ära amerikanischer Erneuerung hereinbricht“.

          Schlagzeilen zur vorab teilweise veröffentlichten Rede

          Das ging zu Hause in London dann doch einigen zu weit. „Dies sind keine normalen Zeiten“, schnaubte der frühere Labour-Chef Ed Miliband und zählte Trumps Äußerungen und Anordnungen seit dessen Amtseinführung auf. „Sich so eng mit seinem Projekt zu verbinden war ein Fehler“, kritisierte er die Premierministerin in der BBC. In der Regierung und der Konservativen Partei wurden Mays Worte hingegen einmütig begrüßt, wenn nicht gefeiert. Von einer „phantastischen Rede“ sprach Crispin Blunt, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, am Freitag. Er würdigte vor allem, dass May in ihrer Rede den Bruch mit der Interventionspolitik der vergangenen 18 Jahre vollzogen habe.

          May hatte einen Teil ihrer Ansprache vorab veröffentlicht, aber nicht die Passage, die am Freitag die meisten Schlagzeilen produzierte. Darin grenzte sie sich ab von der „gescheiterten Außenpolitik der Vergangenheit“ und sagte: „Die Tage, in denen Britannien und Amerika in souveränen Staaten intervenieren, um die Welt nach unserem Bild zu formen, sind vorüber.“ Das war nicht nur eine heftige Distanzierung von ihren letzten drei Vorgängern, es entsprach ziemlich genau dem, was Trump im Wahlkampf zu den Einsätzen im Irak, in Afghanistan und in Libyen gesagt hatte. Blunt würdigte Mays Vorstoß als „angemessene Realitätsprüfung der unerreichbaren Ziele Britanniens und Amerikas, die uns zu ziemlich ernsten Fehlern in der Außenpolitik verleitet haben, mit katastrophalen Konsequenzen“.

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