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Proteste in Thailand : Als Harry Potter gegen den Monarchen

Die jungen Demonstranten, hier Anfang August in Bangkok, lassen sich von der Popkultur inspirieren. Bild: Reuters

In Thailand lehnt sich die Jugend auf. Sie kritisiert offen die Monarchie und nutzt die Symbole der Popkultur. Ihr kreativer Protest verwirrt die alte Führung. Doch er ist auch gefährlich.

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          Die kindlichen Kostüme, mit denen die thailändischen Demokratieaktivisten auf die Straße gegangen waren, konnten kaum über die Gefahr hinwegtäuschen, in die sie sich begeben hatten. Dutzende Schüler und Studenten waren als Harry Potter und andere Figuren aus der Bücherserie der britischen Autorin J.K. Rowling verkleidet, als sie sich kürzlich um das „Demokratiemonument“ im Herzen von Bangkok versammelten. Doch statt magischer Sprüche äußerten die jungen Leute deutliche Kritik: An der kaum als demokratisch zu bezeichnenden Regierung, die immer noch eng mit dem Militär verbandelt ist, an den Einschränkungen der Redefreiheit und auch an der thailändischen Monarchie, der ältesten und von den Thais am meisten verehrten Institution des Landes. Es sind neue Töne, die nun aber regelmäßig auf den fast täglich stattfindenden Kundgebungen zu hören sind.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Eine solche öffentliche Kritik an der Monarchie hat es in Thailand bisher nicht gegeben. In dem Königreich gilt eines der schärfsten Gesetze gegen Majestätsbeleidigung der Welt. Sie wird mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. Einer der Teilnehmer, der Menschenrechtsanwalt Anon Nampa, fand dennoch deutliche Worte: „Keine andere Demokratie erlaubt dem König eine solche Macht über das Militär“, sagte er laut Agentur Reuters bei dem Protest. „Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer Monarchie in einem demokratischen System eine absolute Monarchie werden könnte.“ Der 34 Jahre alte Aktivist wurde etwas später zusammen mit einem Mitstreiter festgenommen. Sie wurden für ihre Rolle bei einem anderen Protest im Juli unter anderem der aufrührerischen Aktivitäten beschuldigt, die mit bis zu sieben Jahren Haft geahndet werden können.

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