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Hunter Biden und die Ukraine : Oligarchen haben es auch nicht leicht

Viktor Pintschuk gilt als zweitreichster Mann der Ukraine und sagt, er sei bereit, die Hälfte seines Vermögens von etwa 2,7 Milliarden Euro zu spenden. Bild: AFP

Biden, Kwasniewski, Schröder – ukrainische Multimillionäre umgeben sich gern mit westlichen Prominenten. So auch mit Hunter Biden. Wieso eigentlich?

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          Joe Biden möchte anstelle von Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden, aber jetzt hat er Ärger mit der Ukraine. Sein Sohn Hunter hat bis vor kurzem im Sold eines ukrainischen Oligarchen namens Mykola Slotschewskij gestanden, eines bulligen, kahlrasierten Erdgasproduzenten. Der liebt kanariengelbe Jacketts und ist der Namenspatron einer Boutique für Krokodillederschuhe in Kiew. Lange Zeit hatte er die ukrainische Staatsanwaltschaft am Hals.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Trump versucht nun, Joe Biden aus alldem einen Strick zu drehen, und die Erzählung läuft so: Wir schreiben das Jahr 2014. Der Sohn des amerikanischen Vizepräsidenten wird von einem ukrainischen Oligarchen angeheuert, weil der den Atem der Justiz im Nacken spürt. Genau diese Justiz stellt plötzlich alle Ermittlungen gegen ihn ein. Das kann kein Zufall sein.

          Die Ukraine war damals auf Amerika angewiesen. Sie war soeben von Russland angegriffen worden, die Not war groß. Also mussten ukrainische Staatsanwälte tun, was der amerikanische Vizepräsident wollte, meint Trump. Dass sie Slotschewskij, den Chef von Biden junior, mit einem Mal in Ruhe ließen, konnte nur daran liegen, dass Papa die Hand über ihn hielt. Folgerung: Ein amerikanischer Vizepräsident hat die Justiz behindert, um die Schäfchen seines Sohnes ins Trockene zu bringen.

          Einflussagenten der neuen Herren

          Diese Erzählung ist vermutlich falsch. Es lässt sich nachweisen, dass Washington keineswegs irgendwelche Verfahren verhindert hat. Im Gegenteil: Der amerikanische Botschafter wetterte damals zwar tatsächlich gegen die ukrainische Staatsanwaltschaft, aber nicht, weil sie Hunter Bidens Arbeitgeber verfolgte, sondern weil sie die Strafverfolgung offenbar verschleppte. Von amerikanischem Schutz für Slotschewskij war damals nichts zu spüren.

          Allerdings bestreitet niemand, dass Biden junior damals tatsächlich auf der Gehaltsliste eines postsowjetischen Oligarchen stand. Und er war nicht der einzige. Viele Prominente aus dem Westen machen es wie er. Sie heuern bei Milliardären in der Ukraine oder in Russland an, und manchmal übernehmen sie auch Regierungsämter.

          Donald Trump wirft Joe Biden (links) vor, seinen Sohn Hunter vor Ermittlungen geschützt zu haben. (Archivfoto)
          Donald Trump wirft Joe Biden (links) vor, seinen Sohn Hunter vor Ermittlungen geschützt zu haben. (Archivfoto) : Bild: Reuters

          Oft sind ihre Ziele dabei aller Ehren wert, aber manchmal gibt es Zweifel. Manche Westler werden geholt, um Korruption zu bekämpfen, aber für andere gilt das Gegenteil. Sie kommen, um Korruption zu decken. Im schlimmsten Fall werden sie zu Einflussagenten ihrer neuen Herren.

          Westprominente als Galionsfiguren und Schutzschilder

          Die Spanne ist weit. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Beispiel engagiert sich für die russischen Ostseepipelines Nord Stream eins und zwei, die Präsident Putin gerade zum Schaden der Ukraine und Polens baut. Schröders Ansehen hilft Putin dabei, sich in Deutschland durchzusetzen.

          Dieser Typus, dessen Prestige einem unfreundlichen fremden Regime zu Hause die Wege bahnt, ist aber nur der eine von zwei Extremfällen. Der andere ist der, der in den Osten geht, um dort Reformen zu unterstützen. Dutzende solcher Männer und Frauen sind nach der Majdan-Revolution in der Ukraine angetreten, um Privatkonzerne, Staatsunternehmen und Ministerien zu beraten oder zu führen. Manche haben sich ehrlich angestrengt – aber der Erfolg hielt sich in Grenzen.

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