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Viktor Orban : Den Herausforderer nicht mal ignoriert

Siegestrunken: Der ungarische Regierungschef Viktor Orban nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend Bild: AFP

Ungarns Ministerpräsident Vktor Orban nutzte für seine Wiederwahl alle möglichen administrativen Ressourcen. Sein Widersacher Peter Marki-Zay schaffte es nicht, sichtbar zu werden.

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          Sonntag nach Mitternacht im Spätbus aus dem Zentrum von Budapest: Ein junger Mann mit noch knabenhaften Zügen, der mit leerem Blick vor sich hin zu dämmern schien, wirft plötzlich den Kopf hoch und mischt sich ein Gespräch, das weiter hinten laut geführt wird. Es geht um die Wahl, die gerade geschlagen worden ist und dem amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orban ein weiteres Mal eine fulminante Mehrheit beschert hat. Die jungen Leute, die einander nicht kennen, gehören offensichtlich nicht zu den 53 Prozent, die Orbáns national-konservative Partei Fidesz gewählt haben. Sie reden darüber, was sie jetzt tun wollen. Seit 12 Jahren, also eigentlich seit je, sagt der Junge, müsse er sich die, wie er es empfindet, nationalistische Hetze von seiner Regierung anhören. Es bleibe nur mehr auszuwandern. Oder sich gleich zu erschießen, fügt er in dunklem Sarkasmus hinzu.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die Wahl hat die tiefe politische Spaltung zwischen Jung und Alt, Besserer und schlechterer Bildung, Hauptstadt und Provinz bestätigt. Die Karte der Wahlkreise zeigen ein oranges Meer mit einer türkisen Insel. Türkis, das ist die Farbe, die das breite Bündnis von sechs Oppositionsparteien sich zugelegt hat. Sie haben in Budapest fast alle Direktmandate gewonnen. In zweien liegen haarscharf die Kandidaten des Fidesz vorne, sie sind daher orange wie der Rest des Landes. Theoretisch besteht noch die Möglichkeit, dass Briefwahlstimmen aus dem Ausland, die erst nächstes Wochenende ausgezählt werden, hier etwas ändern.

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