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Fehlt politischer Druck? : Warum Nordkorea in rascher Folge Raketen testet

Ein Fernsehsender zeigt an einem Bahnhof in Seoul einen nordkoreanischen Raketentest am 17. Januar. Bild: AFP

Nordkoreas Raketentests werden immer häufiger. Will Pjöngjang ausnutzen, dass die Amerikaner mit Russland und China beschäftigt sind? Peking stört sich offenbar nicht daran.

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          Die Abstände zwischen Nordkoreas Raketentests werden immer kürzer. Am Montag feuerte das Regime nach südkoreanischen Angaben abermals zwei Kurzstreckenraketen ab. Erst am Freitag hatte Pjöngjang nach eigener Darstellung zwei Kurzstreckenraketen von Schienenfahrzeugen aus gestartet. Wenige Tage zuvor hatte es zweimal Waffen getestet, die es selbst als Hyperschallraketen bezeichnete. Über die Gründe der Betriebsamkeit kann man, wie bei allem, was Nordkorea tut, nur Vermutungen anstellen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          „Der Grund, warum sie die Testfrequenz erhöht haben, ist wahrscheinlich, dass Nordkorea weniger politischen Druck verspürt, sich mit Raketentests zurückzuhalten“, sagt der Rüstungsexperte Zhao Tong von der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace in Peking. Zum einen seien die USA durch die Kriegsgefahr in der Ukraine und den Konflikt mit Russland abgelenkt. „Nordkorea glaubt wahrscheinlich, dass dies ein sicherer Zeitpunkt ist, um schnell sein Raketenprogramm voranzubringen“, sagt Zhao im Gespräch mit der F.A.Z.

          Keine Zugeständnisse bei Atomprogramm

          Zum anderen sei Pjöngjang inzwischen wohl klar, dass die USA unter Joe Biden die Sanktionen gegen Nordkorea nicht lockern würden, solange das Land keine Zugeständnisse bei seinem Atomprogramm mache. „Ohne Aussichten auf einen diplomatischen Durchbruch hat Nordkorea weniger Grund, sich zu benehmen, um eine Tür für Gespräche offen zu halten.“ Auch eine Annäherung an Südkorea sei in nächster Zeit nicht zu erwarten. Die Hoffnung auf diplomatische Gespräche am Rande der Olympischen Spiele haben sich spätestens mit der Absage Nordkoreas erübrigt. Im März wählt Südkorea zudem einen neuen Präsidenten.

          Der Raketentest am Montag wurde nach Angaben Südkoreas vom Sunan-Flughafen in Pjöngjang durchgeführt. Die beiden Projektile seien 380 Kilometer weit und 42 Kilometer hoch geflogen, bevor sie ins Meer gestürzt seien, so der Generalstab in Seoul. Ein Mitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Yonhap, das Ziel sei offenbar, die Fähigkeit zu verbessern, kurz hinterein­ander Raketen mit zunehmender Treffsicherheit zu starten. Die vorherigen Raketenabschüsse von Schienenfahrzeugen hatte Nordkorea selbst damit begründet, die Einsatzfähigkeit eines schienengestützten Systems testen zu wollen, um es dann in verschiedenen Provinzen einzusetzen. Im September war die Entwicklung eines solchen Systems angekündigt worden.

          Chinas Unmut muss Nordkorea wohl nicht fürchten, obwohl Peking der Zeitpunkt der Eskalation kurz vor den Olympischen Spielen nicht gerade zupasskommt. Zuletzt hat China die USA, und nicht Nordkorea, für die Eskalation verantwortlich gemacht. Ein Zeichen für die wohl ungetrübte Stimmung zwischen Peking und Pjöngjang ist die Wiederaufnahme des Grenzverkehrs. Am Sonntag war nach fast zwei Jahren ein Zug von Nordkorea in die chinesische Grenzstadt Dandong gefahren. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte chinesische Händler, die informiert worden seien, dass die Grenze von Montag an für Frachtverkehr wieder offen sei.

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