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Israel im Iran-Konflikt : Die plötzliche Stille des Benjamin Netanjahu

Benjamin Netanjahu, Premierminister von Israel, hat sich bislang mit Äußerungen zum Iran zurückgehalten. Bild: dpa

Jahrelang machte Netanjahu Stimmung gegen Teheran. Doch während der Konflikt zwischen Amerika und Iran weiter eskaliert, bleibt er auffallend ruhig. Was ist seine Strategie?

          Benjamin Netanjahu lässt üblicherweise keine Gelegenheit aus, um vor den Gefahren aus Teheran zu warnen. Jahrelang warb Israels Ministerpräsident in Washington mit allen Mitteln für den Ausstieg aus dem Atomabkommen und für härtere Sanktionen gegen Iran. Jetzt, wo beides eingetreten ist und Iran mit Gegenmaßnahmen droht, ist Israel in der Sache so still wie nie zuvor. Kriegstrommeln werden weder im Militärhauptquartier in Tel Aviv noch in Jerusalem geschlagen. Zum Jahrestag der amerikanischen Botschaftsverlegung nach Jerusalem beschwor Netanjahu jetzt die Allianz mit Amerika. Zu Iran äußerte er sich nur knapp: „Wir sind vereint in unserem Verlangen, die iranische Aggression zu stoppen.“ Kein Wort zu möglichen Militärschlägen, keine solche Aufforderung an die Adresse Washingtons. Netanjahu weiß um das Risiko einer weiteren Eskalation.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          So bleibt unklar, ob der Minister für regionale Sicherheit, Tzachi Hanegbi, für seine Regierung sprach, als er am Donnerstag im Radio deklamierte: „Beides wäre gut: Wenn es keinen Krieg gibt, gut – wenn es einen Krieg gibt, wissen wir wie er ausgeht, die Vereinigen Staaten sind eine Supermacht.“ Zumindest scheint klar, dass Israel selbst keinen Krieg gegen Iran führen will, sollte es einen militärischen Konflikt überhaupt gutheißen. Wenn, dann wäre Amerika am Zug.

          Mehr wird in Israel derzeit auch nicht verbreitet. Das Militär will sich weder offen noch in Hintergrundgesprächen äußern. „Es ist nicht in Israels Interesse, sich an die Spitze der Angelegenheit zu stellen“, sagt die Iran-Spezialistin Emily Landau vom Institut für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv, die Netanjahus Iran-Positionen immer recht nahe stand. „Iran ist ein internationales Problem, über Israel und auch über die Region hinaus.“

          Die Dinge werden „heißer“

          So strebt Israel nach den Worten des früheren Generals Amos Jadlin einen Zusammenbruch des Atomabkommens an – und damit die totale wirtschaftliche Schwächung Irans, die Volksaufstände und letztlich einem Regimewechsel herbeiführen sollen. Anscheinend hat Israels Geheimdienst daran mitgewirkt, dass die Falken in Amerika die Politik gegen Iran zuletzt verschärfen konnten. Das israelische Fernsehen hatte von israelischen Geheimdienstinformationen berichtet, die Washington vor iranischen Sabotageakten gegen die saudische Ölproduktion gewarnt hätten. Und die „New York Times“ meldete, die amerikanische Entscheidung für eine Truppenverstärkung im Persischen Golf basiere teilweise auf israelischer Aufklärung. Der Geheimdienst habe Washington unter anderem vor Angriffen auf amerikanische Ziele im Irak gewarnt.

          Energieminister Juval Steinitz sagte jedenfalls, dass die Dinge „heißer“ werden. Gegenüber dem Nachrichtenportal „Ynet“ lobte er kürzlich die amerikanischen Sanktionsverschärfungen gegen Iran. Doch er gab zu, dass das nicht ohne Risiko ist. Die Sanktionen „brechen der iranischen Wirtschaft das Genick“, sagte Steinitz – was dazu führen könne, dass Teheran „verrückte Dinge“ tue. Er sprach von Angriffen auf Israel durch Alliierte Teherans oder seine Stellvertreter.

          Das wohl verheerendste Szenario wäre das eines Krieges mit der libanesischen Hizbullah. Grundsätzlich sind die Militärplaner in Tel Aviv darauf seit Jahren vorbereitet – auch wenn in Israel derzeit kaum jemand von einem unmittelbaren Angriff der Schiitenorganisation ausgeht. Daran scheint auch die derzeitige Lage am Golf wenig zu ändern. Truppenverschiebungen oder gar Einberufungen werden in Israel nicht vermeldet.

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