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Konflikte im Nahen Osten : Warum mischt sich Iran überall im Nahen Osten ein?

Gedenken an den Golfkrieg: Angehörige der iranischen Revolutionsgarden bei einer Parade 2011 durch Teheran Bild: Reuters

Teheran finanziert Terrorgruppen und mischt sich in Syrien ein. Die Nachbarstaaten sagen, Iran tue dies, weil die radikalen Mullahs so stark sind. Die Iraner selbst erzählen eine ganz andere Geschichte.

          8 Min.

          Zwischen Iran, seinen Nachbarn und dem Westen gibt es ein tiefes Missverständnis. Es geht dabei um die Frage, warum sich Teheran überall in der Region einmischt, Terrorgruppen finanziert und einen Autokraten wie Baschar al Assad an der Macht hält. Für die saudische Führung, die meisten anderen Golfstaaten und Israel lautet die Antwort: Weil in Teheran radikale Mullahs das Sagen haben, die ihr Modell vom Gottesstaat in der ganzen Region durchsetzen wollen. Der saudische Außenminister nennt Iran einen „revolutionären Schurkenstaat“. Das Land sei der „bei weitem kriegerischste Akteur“ im Nahen Osten, es strebe nach Hegemonie und betrachte versöhnliche Gesten seiner Gegner bloß als Zeichen der Schwäche. Die Saudis kaufen deshalb in großen Mengen Waffen in den Vereinigten Staaten. Sie haben sich mit Israel verbündet, und Washington hat sich unter Trump ganz auf ihre Seite geschlagen.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Allerdings fühlen sich die Iraner selbst auch bedroht, und das schon seit langem. Sie erzählen ihre Geschichte als eine der äußeren Einmischung, der Isolation und der Demütigung. Zwei Erfahrungen waren dafür prägend. Im Jahr 1953 organisierten der britische und der amerikanische Geheimdienst einen Putsch gegen den frei gewählten iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh. Damit ebneten sie dem Schah den Weg zurück zur Macht. Der hatte im Westen viele Freunde, auch in Israel, doch sein eigenes Volk hasste ihn. Der Sturz Mossadeghs war ein krasser Eingriff in die inneren, demokratischen Verhältnisse des Landes – „Regime Change“ nennt man das heute. Wenn Amerikaner damit drohen, ist das in iranischen Ohren keine leere Drohung.

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