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Amerikanischer Hersteller : Impfstoff von Johnson & Johnson in der EU zugelassen

Eine Frau wird im Chris-Hani-Baragwanath-Krankenhaus im südafrikanischen Soweto am 5. März mit Johnson&Johnson geimpft. Bild: AP

Die EU-Kommission hat den Covid-Impfstoff des amerikanischen Herstellers zugelassen. Doch er steht frühestens Mitte April zur Verfügung – und gefährdet Brüssels Kalkulation weiter.

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          Die EU-Kommission hat am Donnerstag die Zulassung für den Covid-Impfstoff des amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson (J&J) erteilt. Zuvor hatte die EU-Arzneimittelagentur Ema das Vakzin für Personen über 18 Jahren zur Zulassung empfohlen. Die Testdaten hätten ergeben, dass es wirksam und sicher sei, teilte die Ema in Amsterdam mit. Der J&J-Impfstoff ist der vierte, den die Ema freigibt.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Zugleich ist er allerdings der erste, der nicht sofort nach der Genehmigung zur Verfügung steht. Frühestens Mitte April seien erste Chargen in der EU verfügbar, berichteten Diplomaten am Donnerstag. Es sei nicht auszuschließen, dass es noch später werde. Damit ist auch die bisherige Kalkulation gefährdet, dass die EU bis Ende Juni mit der Lieferung von 55 Millionen Dosen von J&J rechnen kann – oder ob nach Astra-Zeneca ein zweiter Impfstoffhersteller verzögert liefern wird. Johan Van Hoof, der Forschungschef der Impfsparte von J&J, sagte der F.A.Z. am Mittwoch, er halte es für „sehr wahrscheinlich“, dass die Auslieferung Mitte April beginnen kann, das Unternehmen könne es aber nicht garantieren.

          Insgesamt hat die EU-Kommission von J&J 200 Millionen Dosen bestellt. Hinzu kommt eine Option auf weitere 200 Millionen Dosen. Für die Impfstrategie der EU fiele es durchaus ins Gewicht, wenn J&J die einkalkulierten 55 Millionen Dosen bis Ende Juni nicht liefern könnte. Das gilt schon deshalb, weil das jetzt genehmigte Vakzin besonders einfach zu lagern ist und anders als die bisher genehmigten Impfstoffe nur einmal verabreicht werden muss. Es gilt aber auch mit Blick auf das geplante Gesamtvolumen der Lieferungen. Bis Ende Juni rechnet die EU-Kommission bisher von vier Herstellern mit kumuliert 570 Millionen Dosen.

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          Die J&J-Chargen sind in dieser Kalkulation enthalten, ebenso wie 180 Millionen Dosen von Astra-Zeneca. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat Astra-Zeneca allerdings wegen der schon bestehenden Lieferausfälle mehrfach ziemlich offen als unsicher eingestuft; einzig Biontech/Pfizer (300 Millionen Dosen bis Ende Juni) und Moderna (35 Millionen) gelten als restlos zuverlässig. Wenn von der Leyen ihr Versprechen einhalten will, es werde von April an erheblich mehr Impfstoff geben als bisher, können ihr Verzögerungen bei J&J also nicht egal sein.

          Als Grund für die Verspätungen bei J&J gilt, dass die Vereinigten Staaten praktisch ein Exportverbot verhängt haben. Das Vakzin wurde zwar in den Niederlanden entwickelt und teilweise in Belgien und den Niederlanden produziert, aber vor allem in Amerika abgefüllt. In der EU gebe es noch keine „eigenen Abfüll- und Verschließanlagen“, sagte der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken. Die EU-Kommission müsse alles tun, um sogenannte „Fill-and-Finish-Standorte“ in der EU aufzubauen. Wegen des amerikanischen Exportverbots setzte sich die Diskussion über eigene EU-Ausfuhrbeschränkungen am Donnerstag fort. Der CDU-Abgeordnete Peter Liese forderte, die EU müsse gegenüber Amerika und Großbritannien und Amerika „mit härteren Bandagen kämpfen“. Wenn diese ihre Beschränkungen nicht aufhöben, müsse die EU selbst ein strenges Exportverbot verhängen.

          Die EU-Kommission verlängerte derweil die Gültigkeit des Ende Januar eingeführten „Exportmechanismus“ um drei Monate bis Ende Juni. Dieser „Mechanismus“ bildet die Rechtsgrundlage dafür, dass Mitgliedstaaten die Ausfuhr von Impfstoff untersagen können. Von dieser Möglichkeit machte vor zehn Tagen Italien erstmals Gebrauch und blockierte den Export von Astra-Zeneca-Impfstoff nach Australien. Das war nach Angaben einer Sprecherin die große Ausnahme: Seit Anfang Februar seien 249 Exportanträge genehmigt und die Ausfuhr von 34 Millionen Dosen Impfstoff in 31 Länder erlaubt worden.

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