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Regionalwahlen in Frankreich : „Heute wird die Zahl der RN-Wähler überschätzt“

Nur in der Mittelmeerregion Paca haben die französischen Rechten Aussicht auf Erfolg: der dortige Spitzenkandidat Thierry Mariani mit RN-Parteichefin Marine Le Pen Bild: AP

Warum irrten die Umfragen, als sie einen Sieg von Marine Le Pen in den französischen Regionalwahlen voraussagten? Vor den Stichwahlen am Sonntag fragt die F.A.Z. Frédéric Dabi, den Direktor des Umfrageinstituts IFOP.

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          Herr Dabi, wie konnten Sie sich nur so irren, als sie einen Triumph der Partei Marine Le Pens vorhersagten?

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Tatsächlich war das kein Glanzstück. Wir sahen das Rassemblement National (RN) in sechs Regionen vorn, doch letztlich ist sie nur in der Mittelmeerregion Paca stärkste Kraft geworden. Dort hat der RN-Spitzenkandidat auch ältere Wähler erreicht. Die extrem niedrige Wahlbeteiligung hat unsere Berechnungen verfälscht. Früher wurde die Zahl der RN-Wähler unterschätzt, heute wird sie überschätzt.

          Wird nach der heftigen Wählerschelte Le Pens die Wahlbeteiligung steigen?

          Es gibt keine Anzeichen dafür. Wir haben in Umfragen ermittelt, dass die Wahlbeteiligung am Sonntag nur minimal um zwei Prozent ansteigen und bei 35 Prozent liegen wird. Das liegt auch an der Soziologie der Le Pen-Wähler, unter denen überdurchschnittlich viel junge Leute zwischen 25 und 34 Jahren und Geringqualifizierte sind. Sie lassen sich im Präsidentenwahlkampf mobilisieren, aber die Regionalwahl stößt auf Desinteresse.

          Erklärt, warum die Umfrageinstitute einen Sieg von Marine Le Pen vorausgesagt haben: Frédéric Dabi, der Direktor des französischen Umfrageinstituts IFOP
          Erklärt, warum die Umfrageinstitute einen Sieg von Marine Le Pen vorausgesagt haben: Frédéric Dabi, der Direktor des französischen Umfrageinstituts IFOP : Bild: Xavier POPY/REA/laif

          Ist die Wählerdynamik zugunsten Marine Le Pens gebrochen?

          Wir sind in einem Zyklus sinkender Wahlbeteiligung. Schon in der entscheidenden Stichwahl der Präsidentenwahl 2017 gaben nur knapp 75 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das war eine vergleichsweise geringe Beteiligung für die französische Königswahl. Parallel erleben wir, dass die Legitimität der Gewählten in Zweifel gezogen wird. Begonnen hat das 2012, als Nicolas Sarkozy sagte, ihm habe nur eine Woche Wahlkampf gefehlt, um einen Sieg davonzutragen. Emmanuel Macrons Legitimität wurde sofort nach dem Urnengang angezweifelt.

          Was bedeutet eine geringere Mobilisierung für Le Pen? Es hieß immer, eine niedrige Wahlbeteiligung komme ihrer Partei zugute.

          Diese Gleichung stimmt nicht länger. Vieles deutet darauf hin, dass Le Pens Strategie, sich den bürgerlichen Wählern als nette Kandidatin anzubiedern, nicht aufgegangen ist. Sie hat ja mit dem Slogan der `ruhigen Kraft` geworben. Eine nette Parteichefin ist aber nicht das, was ihre wütenden Anhänger wollen. Das Regionalwahlergebnis hat dabei nur geringe Aussagekraft für die Präsidentenwahlen im April 2022. Alles läuft auf ein Duell zwischen Le Pen und Macron hinaus. Die eine repräsentiert das Frankreich der Globalisierungsverlierer, der Verunsicherten, der andere das optimistische, selbstbewusste Frankreich. Diese Trennlinie gibt es wirklich im Land und sie spiegelt sich im Kandidatenangebot.

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          Aber zeigt die Regionalwahl nicht, dass mit den Altparteien noch zu rechnen ist?

          Wir haben alle Präsidentschaftskandidaten getestet, ob die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo oder den rechtsbürgerlichen Regionalratspräsidenten Xavier Bertrand. Niemand schafft es bislang, Emmanuel Macron und Marine Le Pen zu überholen. Es stimmt übrigens nicht, dass Macrons Wählersockel wackelt. Er hat eine sehr solide Basis, auch unter linken Sympathisanten. Sarkozy hatte Fans, aber Macron hat Anhänger, die ihn und seine proeuropäisches Reformprojekt auf rationale Weise unterstützen.

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