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Abschlussbericht der Ermittler : Das geschah an Bord von MH17

Gigantische Puzzlearbeit: Das rekonstruierte Cockpit von Flug MH17 auf dem Militärflugplatz Gilze Rijen Bild: AFP

Warum stürzte Flug MH17 über der Ukraine ab? Niederländische Ermittler haben bestätigt, dass eine Buk-Rakete das Flugzeug getroffen hat. Was wissen wir noch? Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse.

          4 Min.

          Der Absturz der malaysischen Maschine MH17 über der Ukraine am 17. Juli 2014 sorgte auf der ganzen Welt für Entsetzen. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben. Nach monatelangen Untersuchungen haben niederländische Ermittler nun ihren offiziellen Abschlussbericht des Unglücks vorgestellt - und vor allem die schon lange geäußerte Vermutung bestätigt, dass eine bodengestützte Luftabwehrrakete des russischen Typs Buk zu dem Absturz geführt hat.

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was wissen wir sonst über den Absturz von MH17? Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse.

          1. Buk-Rakete war Ursache des Absturzes
          Der Absturz von MH17 wurde durch den Einschlag einer Buk-Rakete russischer Bauart verursacht. Nach den Angaben der Ermittler schlug ein Teil der Rakete auf der linken Seite des Cockpits ein. Der Sprengkopf war vom Typ 9N314M, der auf eine 9M38-Rakete des Buk-Systems installiert war. Andere Ursachen für den Absturz der Maschine schließen die Ermittler in ihrem Bericht ausdrücklich aus: Die Art der Zerstörungen des Cockpits und des Rumpfs passe nicht zu einem Computerfehler oder sonstigem technischen Versagen. Die Crew an Bord wurde von ihren Systemen den Erkenntnissen zufolge nicht von einem bevorstehenden Einschlag gewarnt und von diesem völlig überrascht.

          2. Rakete wurde vom Gebiet der prorussischen Rebellen abgefeuert
          In ihrem Bericht machen die niederländischen Ermittler zunächst keine Aussagen darüber, wer die Buk-Rakete abgefeuert und damit den Absturz verursacht hat. Dies sei nicht ihre Aufgabe, betonten die Ermittler. Die niederländische Staatsanwaltschaft untersucht den Absturz derzeit, mit einem Ergebnis wird aber frühestens im nächsten Jahr gerechnet. Die Ermittler bezifferten das infrage kommende Gebiet in dem Bericht aber auf ein 320 Quadratkilometer großes Areal.

          Nach Veröffentlichung des Berichts am Dienstagmittag erklärte der Vorsitzende des niederländischen Sicherheitsrates, Tjibbe Joustra, jedoch im niederländischen Fernsehen, die Rakete auf MH17 sei vom Gebiet der pro-russischen Rebellen aus abgeschossen worden. „Es ist ein Gebiet, wo die Grenzen fließend waren. Aber es ist ein Gebiet, wo die pro-russischen Rebellen die Kontrolle hatten“, so Jourstra. Das bestätigte eine Sprecherin des Sicherheitsrates.

          Ebenfalls am Dienstagmittag legte der russische Hersteller der Buk-Raketen Almaz-Antey eigene Schlussfolgerungen vor und verwies auf ein Experiment, bei dem eine Buk-Rakete auf eine ausgediente Iljuschin-Maschine abgefeuert wurde. Die Buk-Version vom Typ 9M38, die der Untersuchungsbericht nennt, dürfe vom russischen Militär seit 2011 nicht mehr verwendet werden, so Almaz-Antey.  Auch hätte die Rakete nicht vom Gebiet der prorussischen Rebellen, sondern von umkämpftem Gebiet in der Ostukraine aus abgeschossen werden müssen.   

          3. Cockpit wurde vom Flugzeug abgetrennt
          Wie bei einem gigantischen Puzzle haben die Ermittler große Teile des Flugzeugs aus Trümmerteilen wieder zusammengesetzt - unter anderem das völlig zerstörte und von Geschossen zerlöcherte Cockpit. Das Flugzeug wurde demnach von zahlreichen Fragmenten der Buk-Rakete getroffen. Durch die Wucht des Einschlags auf der linken Seite des Cockpits zerbarst dieses und wurde vom Flugzeug abgetrennt, die drei Crewmitglieder im Cockpit waren sofort tot. Der Rest des Flugzeugs flog noch ungefähr 8,5 Kilometer weiter, bevor er selbst in mehrere Teile zerbrach. Die Trümmerteile wurden in einem Umkreis von 50 Kilometern um die Absturzstelle gefunden. Die Zeit vom Einschlag der Rakete bis zum Aufschlag auf dem Boden schätzen die Ermittler auf eine bis anderthalb Minuten, bei manchen Flugzeugteilen auch länger.

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