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May und Brexit : Eine Premierministerin auf Abruf

Woran denkt May? Obwohl die Premierministerin, die hier aus der Tür ihres Amtssitzes in 10 Downing Street tritt, seit bald drei Jahren nahezu täglich in der Öffentlichkeit steht, ist nur wenig über sie bekannt. Bild: AFP

Die Nerven von Theresa May sind stärker als ihre Überzeugungen. An diesem Dienstag, wenn das Unterhaus über ihren „Deal“ abstimmt, droht der britischen Premierministerin eine weitere Niederlage.

          9 Min.

          In ihrem politischen Leben hat Theresa May zwei treue Begleiter: den Brexit und den Leoparden. Letzterer ist deutlich länger mit ihr verbunden, seit 2002. May war damals „Chairman“ der Konservativen Partei – was nicht mit dem Amt des Vorsitzenden zu verwechseln ist, das sie 14 Jahre später übernahm – und hielt ihre erste größere Parteitagsrede. Sie nannte die Konservative Partei eine „nasty party“ (scheußliche Partei) und empfahl ihr ein freundlicheres, moderneres Image. Dazu machte sie eigene, etwas unbeholfene Schritte: Ihre Füße steckten in Pumps mit Leoparden-Muster. Nach dem medialen Aufsehen, das dem Auftritt unweigerlich folgte, trug sie derartige Schuhe nur noch selten, aber das störte die Karikaturisten des Landes nicht. Es gibt wohl bis heute keine einzige Zeichnung von Theresa May ohne Leoparden-Pumps.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Man kann es als Schicksal betrachten oder auch als aufschlussreiche Pointe, dass die britische Premierministerin mit zwei Kreaturen identifiziert wird, die ihrer Natur zutiefst widersprechen. Der Brexit ist ein abenteuerliches Projekt, das teils in Protest und teils in Idealismus wurzelt. Der Leopard ist ein elegantes, fast aristokratisches Tier, anmutig und geschmeidig. May ist nichts davon. Rebellion und Visionen sind ihrem Denken fremd. Und ihre Erscheinung ist eher von Hölzernheit geprägt. Ihre oft expressive Kleidung, schrieb der „New Yorker“ einmal mit einem Anflug von Boshaftigkeit, habe den Effekt, „etwas zu akzentuieren, das nicht da ist“.

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