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Folge der Pandemie : Die Wahl in Singapur dauert länger als geplant

Schlange stehen vor dem Wahllokal: Die Bürger im Stadtstaat Singapur müssen Zeit mitbringen. Bild: dpa

Wegen der erhöhten Sicherheits- und Hygienevorschriften zieht sich die Wahl in Singapur hin. Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Die Opposition war von Anfang an nicht einverstanden mit einer Wahl in Zeiten von Corona.

          2 Min.

          Selbst in dem strengen und effizienten Stadtstaat Singapur läuft in Zeiten der Pandemie nicht alles glatt. Während am Freitag 2,6 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen waren, für ein neues Parlament zu stimmen, kam es wegen der erhöhten Vorsichts- und Hygienemaßnahmen zu starken Verzögerungen. Vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Wahlkommission sah sich aus diesem Grund gezwungen, den Bürgern zwei Stunden länger Zeit für ihre Stimmenabgabe zu geben. Oppositionsparteien kritisierten das „äußerst irreguläre“ Vorgehen und forderten, dass die Verlängerung der Stimmenabgabe wieder zurückgenommen werde. Die Oppositionspolitiker hatten schon den Schritt als „unverantwortlich“ kritisiert, die Wahl mitten in der Pandemie vorzuziehen. Regulär hätte das Parlament noch bis Januar 2021 weiterarbeiten können.  

          Die Wahlkommission entschuldigte sich für die langen Warteschlangen an den Wahllokalen. Sie hatte im Verlauf des Tages bereits einige Anpassungen gemacht. So wurde die Pflicht aufgehoben, bei der Stimmenabgabe Einweghandschuhe zu tragen. Stattdessen konnten die Wähler ihre Hände mit dem ohnehin zur Verfügung gestellten Desinfektionsmittel reinigen.

          Wahlkampf im Internet

          Darüber hinaus mussten die Wähler Mund-Nasen-Schutz tragen und mindestens einen Meter Abstand halten. Außerdem wurde vor Eintritt in die Wahllokale ihre Temperatur gemessen. In Singapur herrscht Wahlpflicht. Die Menschen waren angehalten, möglichst zu bestimmten zugeteilten Uhrzeiten in die Wahllokale zu gehen. Senioren konnten schon am Vormittag ihre Stimmen abgeben.

          Bis 17 Uhr Ortszeit, drei Stunden vor dem ursprünglich geplanten Ende der Stimmenabgabe, hatten mehr als 80 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen gemacht. Die Opposition wies auf das Problem hin, dass die Abendstunden für die Stimmabgabe von Wählern gedacht waren, die aufgrund von Quarantänevorschriften eigentlich nicht vor die Tür gehen dürften.

          Auch der nur neun Tage kurze Wahlkampf hatte unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Da keine Kundgebungen erlaubt waren, spielte er sich überwiegend im Internet ab. Dennoch kam es dabei zu einigen Auseinandersetzungen über das Krisenmanagement der Regierung und Fragen der „Rassenharmonie“ und Diskriminierung von Minderheiten.

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          Der zersplitterten Opposition bleiben kaum Chancen, die seit 1959 in Singapur regierende People’s Action Party nach dieser Wahl abzulösen. Ministerpräsident Lee Hsien Loong, der Sohn des Staatsgründers Lee Kuan Yew, hatte angesichts der Pandemie und der dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise um ein „starkes Mandat“ gebeten. Es wird erwartet, dass die Menschen in der Krise Sicherheit suchen und bewährte Kräfte wählen.

          Manche halten es aber auch für möglich, dass die Regierungspartei in der Pandemie von manchen Wählern abgestraft wird. Anfänglich hatte Singapur die Seuche unter Kontrolle gehabt. Dann war es aber in den engen Unterkünften der Gastarbeiter zu einem Ausbruch gekommen, der die Zahl der Infektionen auf nun mehr als 45.000 hochkatapultiert hat. Ein Ergebnis von weniger als Zweidrittel der Stimmen käme einer Schlappe für die Regierung gleich.

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