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Wahl im Kosovo : Amselfelder Männerdämmerung

Unterstützer von Ramush Haradinaj Anfang Oktober in Prishtina
Unterstützer von Ramush Haradinaj Anfang Oktober in Prishtina : Bild: AFP

Eine berechtigte Frage, antwortet Vjosa Osmani. „Viele Jahre lang hat die EU uns kritisiert für das, was in unserem Justizsystem nicht gut funktioniert. Aber meist wird vergessen, dass Eulex viele exekutive Vollmachten hatte in diesem Gebiet.“ Nach 20 Jahren internationaler Präsenz in der kosovarischen Rechtsprechung sei die Justiz immer noch nicht in der Lage, sich der Fälle anzunehmen, in die ranghohe Verdächtige verwickelt sind. „Es ist offensichtlich, dass da einiges schiefgelaufen ist.“ Sie wolle als Ministerpräsidentin sicherstellen, dass die kosovarische Justiz wirklich unabhängig werde, „damit hier nie wieder ein Politiker einen Richter oder Staatsanwalt anruft, sie unter Druck setzt oder sogar ihr Leben und das Leben ihrer Familien bedroht“.

Ohne die Unterstützung der EU könne das allerdings nicht gelingen, weiß die auslandserfahrene Juristin aus der ethnisch geteilten Stadt Mitrovica im Norden des Kosovos. Zu lange Zeit habe die Staatengemeinschaft im Kosovo auf Politiker wie Thaçi oder Haradinaj gehört, die mit Unruhen für den Fall drohten, dass ihr Wille nicht erfüllt werde. Allerdings zeigen dieselben Umfragen, die der LDK einen Erfolg bei der Parlamentswahl am Sonntag nahelegen, dass die Partei mindestens einen Partner brauchen wird. Vjosa Osmani will mit der Partei Vetevendosje („Selbstbestimmung“) des ehemaligen Studentenführers Albin Kurti koalieren. Der ist Wortführer einer Vereinigung des Kosovos mit Albanien. Zwar rückt Kurti solche Pläne in jüngster Zeit nicht mehr in den Vordergrund, sondern erklärt den Kampf gegen Korruption und eine Reform der Justiz ebenfalls zum wichtigsten Ziel. Losgesagt hat er sich von seinen großalbanischen Träumen aber nie. Darüber werde man reden müssen, kommentiert Vjosa Osmani die Ideen ihres potentiellen Regierungspartners: „Für uns ist die Republik Kosovo ein dauerhaftes Projekt. Wir sehen sie nicht als eine Zwischenstation auf dem Weg zu einem anderen Ziel.“

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