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Aufrüstung der Streitkräfte : Besorgnis über Russland

  • -Aktualisiert am

Einen ersten Eindruck, was unter paralleler Kriegsführung zu verstehen ist, gab der Kreml in den vergangenen Jahren. Zur selben Zeit wie in der Ukraine kämpfte die Armee auch in Syrien und machte dort, wie Generalstabschefs Waleri Gerassimow begeistert feststellte, „unbezahlbare Kampferfahrungen“. Dieses Wissen setzt der Kreml nun um. Der Konflikt in der Ukraine, erklärt Russland-Experte Gorenburg, habe Moskau gezeigt, dass Bodentruppen nach wie vor eine große Rolle spielten. Deshalb gelte das Augenmerk der Militärplaner agilen, kampfstarken und gut geschützten Waffensystemen wie dem „Armata“.

Außerdem setzt der Kreml auf eine moderne Artillerie mit Präzisionsmunition und Zielaufklärungsdrohnen. In der Ukraine hat das Heer demonstriert, wozu diese Systeme in der Lage sind. Sie haben mehrere ukrainische Panzerbataillone nur kurze Zeit nachdem diese von unbemannten Flugzeugen entdeckt worden waren, aus großer Entfernung vernichtet. Die Drohnen hatten die Zielkoordinaten in Echtzeit an die Geschütze übermittelt, deren Computer in Bruchteilen von Sekunden die Entfernung berechneten und feuerten.

Ein erweiterter Einsatzradius

Modernisiert wird auch die Luftwaffe, der Schwerpunkt ändert sich aber. In den zurückliegenden Jahren wurden vor allem Kampfflugzeuge und Hubschrauber beschafft, nun will der Kreml große Transportflugzeuge mit hoher Reichweite kaufen. Tankflugzeuge vergrößern zudem den Einsatzradius von Kampfjets. Die Luftwaffe soll von 2019 an jährlich zehn bis zwölf Flugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 bekommen. Damit würde sich die Einsatzfähigkeit der russischen Streitkräfte insgesamt deutlich verbessern, schreibt Gorenburg.

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Umstritten ist das Programm, mit dem Russland seine Nuklearkräfte modernisieren will. Präsident Putin hat nach einem Vierteljahrhundert atomarer Abrüstung vor gut zweieinhalb Jahren angekündigt, neue Interkontinentalraketen beschaffen zu wollen. Dabei bleibt es nicht. Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen jederzeit zwölf von 14 strategischen U-Booten in den Weltmeeren unterwegs sein. Sie sind mit atomar bestückbaren, ballistischen Raketen ausgerüstet. Ihre Hauptaufgabe ist, im Falle eines Angriffs die Fähigkeit Russlands zu einem vernichtenden Gegenschlag sicherzustellen.

Russland holt seinen Rückstand weiter auf

Ob sich das russische U-Boot-Programm aufgrund der finanziellen Engpässe im geplanten Zeitrahmen realisieren lässt, ist ebenso unklar wie andere, teure Vorhaben. So soll die Luftwaffe neue und modernisierte Langstreckenbomber vom Typ TU-160 und TU-95 erhalten, die mit dem neuen Marschflugkörper Kh-55 ausgerüstet werden. Die TU-160 ist mit 54 Meter Länge das größte Kampfflugzeug der Welt. Sie kann Raketen und Bomben im Gesamtgewicht von 40 Tonnen transportieren. Die Entwicklung einer neuen Version wurde zuletzt von technischen und finanziellen Problemen begleitet.

Gorenburg erwartet, dass Russland seinen technologischen Rückstand auf die Nato in den kommenden zehn Jahren weiter aufholen kann, so lange dem Kreml das Geld nicht ausgeht. In der Carnegie-Studie heißt es, Russland werde schon bald in der Lage sein, militärisch weltweit zu intervenieren. Daraus erwachse, so Gorenburg, die Gefahr, dass Moskau künftig stärker politische Konflikte mit militärischen Mitteln eskalieren könnte. Carnegie empfiehlt der Nato, sich dringend mit den neuen russischen Fähigkeiten auseinanderzusetzen – und wieder die vernetzte Kriegsführung von Land-, Luft-, See- und Cyberstreitkräften zu üben. Die habe sie seit 1989 verlernt.

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Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff

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