https://www.faz.net/-gpf-94tfb

Aufrüstung der Streitkräfte : Besorgnis über Russland

  • -Aktualisiert am

Einen ersten Eindruck, was unter paralleler Kriegsführung zu verstehen ist, gab der Kreml in den vergangenen Jahren. Zur selben Zeit wie in der Ukraine kämpfte die Armee auch in Syrien und machte dort, wie Generalstabschefs Waleri Gerassimow begeistert feststellte, „unbezahlbare Kampferfahrungen“. Dieses Wissen setzt der Kreml nun um. Der Konflikt in der Ukraine, erklärt Russland-Experte Gorenburg, habe Moskau gezeigt, dass Bodentruppen nach wie vor eine große Rolle spielten. Deshalb gelte das Augenmerk der Militärplaner agilen, kampfstarken und gut geschützten Waffensystemen wie dem „Armata“.

Außerdem setzt der Kreml auf eine moderne Artillerie mit Präzisionsmunition und Zielaufklärungsdrohnen. In der Ukraine hat das Heer demonstriert, wozu diese Systeme in der Lage sind. Sie haben mehrere ukrainische Panzerbataillone nur kurze Zeit nachdem diese von unbemannten Flugzeugen entdeckt worden waren, aus großer Entfernung vernichtet. Die Drohnen hatten die Zielkoordinaten in Echtzeit an die Geschütze übermittelt, deren Computer in Bruchteilen von Sekunden die Entfernung berechneten und feuerten.

Ein erweiterter Einsatzradius

Modernisiert wird auch die Luftwaffe, der Schwerpunkt ändert sich aber. In den zurückliegenden Jahren wurden vor allem Kampfflugzeuge und Hubschrauber beschafft, nun will der Kreml große Transportflugzeuge mit hoher Reichweite kaufen. Tankflugzeuge vergrößern zudem den Einsatzradius von Kampfjets. Die Luftwaffe soll von 2019 an jährlich zehn bis zwölf Flugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 bekommen. Damit würde sich die Einsatzfähigkeit der russischen Streitkräfte insgesamt deutlich verbessern, schreibt Gorenburg.

Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

Mehr erfahren

Umstritten ist das Programm, mit dem Russland seine Nuklearkräfte modernisieren will. Präsident Putin hat nach einem Vierteljahrhundert atomarer Abrüstung vor gut zweieinhalb Jahren angekündigt, neue Interkontinentalraketen beschaffen zu wollen. Dabei bleibt es nicht. Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen jederzeit zwölf von 14 strategischen U-Booten in den Weltmeeren unterwegs sein. Sie sind mit atomar bestückbaren, ballistischen Raketen ausgerüstet. Ihre Hauptaufgabe ist, im Falle eines Angriffs die Fähigkeit Russlands zu einem vernichtenden Gegenschlag sicherzustellen.

Russland holt seinen Rückstand weiter auf

Ob sich das russische U-Boot-Programm aufgrund der finanziellen Engpässe im geplanten Zeitrahmen realisieren lässt, ist ebenso unklar wie andere, teure Vorhaben. So soll die Luftwaffe neue und modernisierte Langstreckenbomber vom Typ TU-160 und TU-95 erhalten, die mit dem neuen Marschflugkörper Kh-55 ausgerüstet werden. Die TU-160 ist mit 54 Meter Länge das größte Kampfflugzeug der Welt. Sie kann Raketen und Bomben im Gesamtgewicht von 40 Tonnen transportieren. Die Entwicklung einer neuen Version wurde zuletzt von technischen und finanziellen Problemen begleitet.

Gorenburg erwartet, dass Russland seinen technologischen Rückstand auf die Nato in den kommenden zehn Jahren weiter aufholen kann, so lange dem Kreml das Geld nicht ausgeht. In der Carnegie-Studie heißt es, Russland werde schon bald in der Lage sein, militärisch weltweit zu intervenieren. Daraus erwachse, so Gorenburg, die Gefahr, dass Moskau künftig stärker politische Konflikte mit militärischen Mitteln eskalieren könnte. Carnegie empfiehlt der Nato, sich dringend mit den neuen russischen Fähigkeiten auseinanderzusetzen – und wieder die vernetzte Kriegsführung von Land-, Luft-, See- und Cyberstreitkräften zu üben. Die habe sie seit 1989 verlernt.

Weitere Themen

Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video Video-Seite öffnen

„Er hat einen Punkt getroffen“ : Ziemiak äußert sich zu Rezo-Video

Nach dem millionenfach angeklickten Youtube-Video mit harschen Attacken auf die CDU lädt die Partei Urheber Rezo zum Gespräch. Im Dialog mit dem Youtuber sei ihm wichtig, wie junge Menschen für Politik begeistert werden könnten, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak in Berlin.

Wahl-O-Mat darf wieder genutzt werden

Nach Rechtsstreit : Wahl-O-Mat darf wieder genutzt werden

Am Montag musste die Bundeszentrale den Wahl-O-Mat zur Europawahl abschalten – wegen eines Rechtsstreits mit der Kleinpartei Volt. Jetzt ist der Wahl-O-Mat wieder erreichbar – der Streit ist beigelegt.

Briten und Niederländer wählen schon Video-Seite öffnen

Europawahl-Marathon beginnt : Briten und Niederländer wählen schon

Drei Tage vor den meisten anderen EU-Bürgern gehen Briten und Niederländer an die Urnen, um ihre künftigen Abgeordneten im Europaparlament zu wählen. In beiden Ländern dürften rechtspopulistische Parteien stark zulegen.

Topmeldungen

Kritik an Kramp-Karrenbauer : Wirtschaftsflügel der Union fordert Härte gegen SPD

Die Amtsführung der CDU-Vorsitzenden sorgt in der Union zunehmend für Unruhe. Der Chef der Mittelstandsvereinigung Linnemann fordert, die CDU müsse programmatisch wieder erkennbarer sein. Im Gespräch ist etwa die Einführung eines Dienstpflichtjahres.

Auf Youtube : CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

Auf ihren Youtube-Kanal warb die CDU mit Videos ihrer Politiker aus Talkshow-Auftritten in den öffentlichen Kanälen. Abgesprochen hatte sie das nicht – und damit offenbar gegen Urheberrecht verstoßen. Aufgefallen ist das einem Satiriker und Politiker.

„Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.