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Türkei : Warum Deutsche im Visier der Terroristen sind

Polizisten vor dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul Bild: AFP

Terroristen sollen in der Türkei einen Anschlag auf Deutsche geplant haben – Berlin ergreift Notmaßnahmen in Ankara und Istanbul. Da Deutsche nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden nicht im Visier kurdischer Terroristen sind, fällt der Verdacht auf andere Extremisten.

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          Um 00:19 Uhr in der Nacht auf Donnerstag verschickte die deutsche Botschaft in der Türkei eine E-Mail an die „lieben Landsleute“ im Raum Ankara: „Aufgrund eines nicht abschließend überprüfbaren Warnhinweises haben wir uns entschlossen, die Deutsche Botschaft Ankara und die Deutsche Schule Ankara am Donnerstag, den 17. März 2016, vorsorglich geschlossen zu halten. Auch die für den Abend geplante Veranstaltung in der Deutschen Schule findet nicht statt. Bitte vermeiden Sie die Umgebung der Botschaft. Wir bitten Sie um Verständnis.“ Am nächsten Tag folgte eine zweite Nachricht: „In Ergänzung zu der Meldung von gestern Abend möchten wir Ihnen mitteilen, dass die Deutsche Botschaft Ankara und die Deutsche Schule Ankara auch am Freitag, den 18. März 2016, geschlossen bleiben werden.“

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Vorher hatten die deutschen Sicherheitsbehörden Alarm geschlagen und sich ans Auswärtige Amt gewandt. Die Diplomaten unterrichteten den Außenminister, der noch am späten Abend die Entscheidung traf, welche sodann den Auslandsdeutschen in Ankara mitgeteilt wurde und ebenso in Istanbul, wo Generalkonsulat und deutsche Schule geschlossen wurden. Am Donnerstagvormittag trat Frank-Walter Steinmeier mit ernster Miene vor die Presse: „Gestern Abend erreichten unsere Sicherheitsbehörden einige sehr konkrete und deshalb sehr ernst zu nehmende Hinweise, dass terroristische Attentate gegen unsere deutschen Vertretungen innerhalb der Türkei vorbereitet seien“, sagte er. Dies sei eine notwendige Maßnahme gewesen, weil der Schutz der deutschen Staatsbürger und der in den Einrichtungen arbeitenden und lernenden Menschen jetzt Vorrang haben müsse. Gleichzeitig sei es eine Vorsichtsmaßnahme, weil die Zeit genutzt werde, um die Schutzvorkehrungen an den Einrichtungen zu erhöhen. „Wir sind der türkischen Polizei ausgesprochen dankbar, dass sie daran mitarbeitet“, sagte Steinmeier noch.

          Deutsche Gebäude nur schwer zu schützen

          Deutsche Diplomaten hatten in der Nacht zu Donnerstag den türkischen Botschafter in Berlin über die eigenen Hinweise informiert. Der reagierte umgehend: Die türkische Polizei verstärkte sofort ihre Präsenz in Ankara und Istanbul. Der Rest folgte der sicherheitspolitischen Routine: Der Krisenstab der Bundesregierung tagte im Auswärtigen Amt, das seine Reisehinweise aktualisierte – wenngleich die Bewertung der Gefahrenlage in urbanen Zentren unverändert blieb: unverändert hoch. Unmittelbar nach Eingang des Warnhinweises hatte am Mittwochabend das Lagezentrum Telefonschalten zwischen dem Krisenzentrum, den beiden Vertretungen in Ankara und Istanbul und der Leitung des Auswärtigen Amts organisiert. Der Bundesnachrichtendienst bewertet laufend Hinweise – eigene und auch jene deutscher Partnerdienste – auf Bedrohungen deutscher Interessen im Ausland. In diesem Fall ergab sich daraus eine konkrete Warnmeldung.

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