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Bilanz nach Gipfel in Singapur : Der Gewinner heißt China

Genau um diesen Eindruck zu zerstreuen, war Außenminister Mike Pompeo am Morgen zunächst in die südkoreanische Hauptstadt Seoul gereist. Dort traf er nicht nur den Präsidenten Moon Jae-in und dessen Außenministerin Kang Kyung-hwa, sondern auch den dafür aus Tokio angereisten japanischen Außenminister Taro Kono. Pompeos Reiseroute folgte der Hierarchie der Partner in der Nordkorea-Frage, die Trump in Singapur verkündet hatte: „Wir arbeiten sehr viel mit Südkorea, wir arbeiten mit Japan. Wir arbeiten mit China, in einem geringeren Maß.“ In Seoul beschworen die drei Außenminister vor Journalisten denn auch wortreich ihre Gemeinsamkeiten, während Pompeo am Abend in Peking offen von Differenzen sprach, etwa in Bezug auf das Südchinesische Meer, Menschenrechte – und natürlich den Handel.

Südkorea muss den Druck flexibel anpassen

Pompeo sagte zur Freude seiner südkoreanischen Amtskollegin, dass Machthaber Kim Jong-un die Notwendigkeit verstehe, die Denuklearisierung schnell zu vollenden. Der Japaner Kono dürfte dagegen gerne Pompeos Zusage gehört haben, dass es eine Lockerung der Sanktionen gegen Nordkorea erst dann geben könne, wenn Nordkorea komplett atomar abgerüstet habe. Pompeo hob zudem hervor, dass Washington am Ziel einer „kompletten, nachprüfbaren und unumkehrbaren“ nuklearen Abrüstung festhalte, auch wenn dieses in der Erklärung von Singapur nicht aufgenommen wurde. Der linksliberale südkoreanische Präsident Moon reagierte am Donnerstag auf Trumps Ankündigung, die „Kriegssimulationen“ mit seinem Land während der Verhandlungen mit dem Regime in Pjöngjang auszusetzen. Wenn Nordkorea Maßnahmen zur atomaren Abrüstung ergreife und ernsthafter Dialog andauere, müsse Südkorea seinen militärischen Druck gegen den Norden flexibel anpassen. Südkorea werde sorgfältig prüfen, ob die gemeinsamen Militärmanöver auszusetzen seien, sagte Moon während einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats.

Der Präsident fühlt sich in seiner Politik der Annäherung an Nordkorea durch die landesweite Lokal- und Regionalwahl vom Mittwoch gestärkt. Trotz der schwachen Wirtschaftslage erzielte seine Demokratische Partei einen überwältigenden Wahlsieg. Die Partei gewann 14 von 17 der wichtigsten Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen, vor der Wahl hielt sie nur sechs der Posten.

In der Manöverfrage richtet sich das Augenmerk vor allem darauf, ob Amerika und Südkorea eine noch im August geplante Großübung abhalten werden. Nach amerikanischen Medienberichten soll Trump kurz davorstehen, sie abzusagen. An dem traditionellen Großmanöver waren im vergangenen Jahr rund 68.000 Soldaten der beiden Verbündeten beteiligt. Geübt wurde damals die Verteidigung gegen angenommene Provokationen des Nordens.

Japan geht vorerst auf Distanz

Trotz des Schulterschlusses mit Amerika ging Japan auf Distanz zu einem vorschnellen militärischen Einlenken. Japan verstehe, dass jede Manöverpause davon abhänge, dass Nordkorea atomar abrüste, betonte Außenminister Taro Kono. Die Abschreckung durch die Allianzen von Japan und Südkorea mit den Vereinigten Staaten sei essentiell für die Sicherheit in Nordostasien. Ausdrücklich verwies Kono darauf, dass noch keine Sicherheitsgarantien für das Regime in Pjöngjang erteilt worden seien. Das war wohl als Hinweis gen Norden zu verstehen, nicht wie früher zu tricksen.

Als vertrauensbildende Maßnahme berieten derweil im Waffenstillstandsort Panmunjom Militärs von Süd- und Nordkorea zum ersten Mal seit 2007 Möglichkeiten, Spannungen an der innerkoreanischen Grenze zu vermeiden. Nach stundenlangen Gesprächen vereinbarten beide Seiten, die unterbrochenen Kommunikationskanäle zwischen den Militärs in den Küstenregionen wieder zu öffnen. Zugleich diskutierten sie darüber, Panmunjom testweise zu entmilitarisieren.

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