Proteste in Iran :
Eine neue Form des Aufbegehrens

Von Rainer Hermann
Lesezeit: 5 Min.
Eine neue Generation: Viele der Demonstranten sind erst 25 Jahre alt oder jünger. Ihr Protest richtet sich auch gegen religiöse Einrichtungen.
Der Protest in Iran ist anders als die Aufstände vor neun Jahren: Über das ganze Land verteilt gehen kleinere Gruppen auf die Straße, das erschwert die Abwehrstrategien der Machthaber. Sie steht nun vor einer weitreichenden Entscheidung.

In Iran breitet sich eine neue Form des Protests aus. Bei früheren Protestwellen hatten sich die Demonstranten noch vorab zu größeren Kundgebungen verabredet. So war es auch im Sommer 2009 nach der Wiederwahl des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. Auf dem Höhepunkt des Protests hatten am 15. Juni 2009 nach Angaben der Teheraner Stadtverwaltung allein in der Hauptstadt drei Millionen Menschen gegen die mutmaßlichen Manipulationen und die Wiederwahl Ahmadineschads demonstriert. Selbst diese Masse hatte nicht ausgereicht, um das Regime ins Wanken zu bringen. Nach der Drohung von Revolutionsführer Ali Chamenei, dass jedem, der zu Protesten aufrufe, selbst das Blut an den Fingern klebe, brach der Widerstand zusammen. Denn die Revolutionswächter und die ihnen unterstellte Freiwilligenmiliz Bassidsch hatten bereits begonnen, Proteste mit Gewalt im Keim zu ersticken.

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