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Eingriff von Papst Franziskus : Das Finale im Kampf um den Malteserorden

Gespaltener Orden? Mitglieder der Malteserritter in einer Prozession im Vatikan 2013 Bild: AP

Im Malteserorden leisten Amerikaner und Italiener erbitterten Widerstand gegen Reformpläne des „deutschen“ Flügels. Sie wollen das Adelsprivileg retten und jede Demokratisierung verhindern. Jetzt hat Papst Franziskus eingegriffen.

          7 Min.

          Albrecht Freiherr von Boeselager, Großkanzler des Malteserordens, ist ein bedächtiger Mann. Zu Temperamentsausbrüchen neigt er nicht. Auch nicht zu großen Gesten, am wenigsten zu jenen des Triumphes. Dabei hätte der 72 Jahre alte Baron aus Altenahr in Rheinland-Pfalz allen Grund, seine Genugtuung über einen mit Hilfe von Papst Franziskus abgewehrten Putschversuch zur Schau zu stellen. Das war vor fünf Jahren. Weil der Widerstand gegen von Boeselager und seinen Reformkurs damit aber offenbar noch nicht gebrochen war, intervenierte Franziskus am 25. Oktober ein weiteres Mal.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Er verfügte in einem Schreiben an den vor rund einem Jahr eingesetzten Sondergesandten für den Malteserorden faktisch, dass der fast tausend Jahre alte geistliche Ritterorden unter vollständige Kontrolle des Vatikans kommt. Gemäß dem päpstlichen Schreiben kann der 81 Jahre alte italienische Kardinal Silvano Maria Tomasi den Orden wie ein Alleinherrscher führen. Er stammt aus Venetien und blickt auf eine lange Laufbahn im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls zurück. Künftig kann Tomasi, um allfällige Konflikte im Orden zu lösen, sogar Entscheidungen treffen, die „notfalls der geltenden Verfassungscharta und dem Ordenskodex“ widersprechen, wie es in dem Schreiben heißt.

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