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Sieg über Terrormiliz : Warum der IS weiter gefährlich bleibt

Männer verlassen das letzte noch von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Gebiet in Baghus. Bild: dpa

Dem „Islamischen Staat“ wurde das letzte Stück seines Territoriums genommen. Dauerhaft besiegt werden kann er aber nur, wenn ihm politisch der Boden entzogen wird – und sich die nahöstlichen Regime grundlegend ändern.

          Eine wichtige Schlacht im Krieg gegen den Terror ist gewonnen: Dem „Islamischen Staat“ ist nun endlich auch das letzte Stück seines Territoriums genommen. Fast fünf Jahre hatte er sich gehalten und damit länger, als das viele erwartet hatten. Dabei profitierte er von dem Vakuum, das durch die Kriege im Irak und in Syrien entstanden war; auf dem Zenit seiner Terrorherrschaft tyrannisierte er Millionen Menschen auf einer Fläche von der Größe Großbritanniens.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Erst dem entschlossenen militärischen Handeln der Staatengemeinschaft, an dem sich auch Deutschland beteiligt hat, ist es zu verdanken, dass der IS nicht länger über ein eigenes Territorium verfügt, das islamistische Extremisten aus aller Welt angelockt hat.

          Der IS bleibt eine Gefahr

          Trotz des militärischen Sieges, der auch den Kämpfern der syrischen Kurden geschuldet ist, dürfen die Hände nicht in den Schoß gelegt werden. Denn der IS bleibt auf lange Zeit eine Gefahr. Die Bedingungen in Syrien und im Irak, die vor fünf Jahren erst die schnelle Ausbreitung des IS möglich gemacht hatten, haben sich kaum verändert.

          Wenn der militärische Druck wegfiele, könnte sich der IS wieder rasch ausbreiten, zumal Repression und Ungerechtigkeit in vielen nahöstlichen Ländern dem IS jederzeit willfährige Rekruten in die Arme treiben können.

          2007 war auch die Vorgängerorganisation des IS voreilig für besiegt erklärt worden. Damals gingen einige hundert Dschihadisten in den Untergrund, wenig später brachten sie den IS hervor. Gegenwärtig sollen im Untergrund mehr als 20.000 IS-Kämpfer auf eine Gelegenheit zur Rückkehr warten. Zudem hängen sie dem dschihadistischen Salafismus an; diese Terrorideologie ist nicht so rasch aus der Welt zu schaffen.

          Dauerhaft besiegt werden kann der IS-Terror nur, wenn ihm auch politisch der Boden entzogen wird. Daher ist weiterhin Wachsamkeit geboten, zumal der IS – oder wie immer sich die nächste Terrorgeneration nennen wird – ohne Territorium auf die klassische Guerrilla-Taktik ausweichen wird. Im Irak und in Syrien geschieht das bereits. Er wird weiterhin versuchen, den Terror nach Europa zu tragen. Dauerhaft besiegt werden kann der IS-Terror nur, wenn ihm auch politisch der Boden entzogen wird.

          Dazu müssten sich die nahöstlichen Regime aber grundlegend ändern. Sie müssten in Arbeitsplätze und nicht nur in ihren Sicherheitsapparat investieren; sie müssten sich allen öffnen und nicht nur einer kleinen Elite dienen. Solange die Regime dazu nicht bereit sind, wird die Ideologie des IS weiterhin auf fruchtbaren Boden fallen.

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