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Nach Taliban-Machtübernahme : Warum China Tadschikistan einen Stützpunkt finanziert

Der tadschikische Machthaber Emomali Rachmon in Moskau am 15. September auf einem vom russischen Außenministerium zur Verfügung gestellten Foto Bild: AP

Vor dem Hintergrund der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan baut Peking seinem Nachbarland eine Basis für Sondereinsatzkräfte. Doch werden dort wirklich nur tadschikische Soldaten eingesetzt, keine chinesischen?

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          Vor dem Hintergrund der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan baut China seinem Nachbarland Tadschikistan eine neue Basis für Sondereinsatzkräfte. Die chinesische Regierung werde einen Stützpunkt für eine Spezialeinheit zum Kampf gegen organisierte Verbrechen des tadschikischen Innenministeriums errichten, gab die Behörde am Mittwoch in der Hauptstadt Duschanbe bekannt. Peking werde auch für die technische Ausstattung der Basis sorgen. Sie soll in einem Gebiet entstehen, das sowohl an China wie an Afghanistan grenzt. Ein tadschikischer Parlamentsabgeordneter beteuerte gegenüber dem Landesdienst von Radio Free Europe/Radio Liberty, ausschließlich eigene Sicherheitskräfte würden auf der Basis eingesetzt, nicht etwa chinesische. Aus Peking gab dazu zunächst keine Stellungnahme.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Allerdings gibt es seit langem Berichte über ein chinesisch-tadschikisches Feldlager im äußersten Osten Tadschikistans an der Grenze zum afghanischen Wakhan-Korridor. Die Washington Post hatte 2019 darüber berichtet. Ein Reporter der Zeitung hatte die Militärbasis in Augenschein genommen und an den Gebäuden chinesische Hoheitszeichen ausgemacht. Zudem hatte er eine Gruppe chinesischer Soldaten oder Paramilitärs mit Abzeichen einer Einheit getroffen, die in der chinesischen Region Xinjiang beheimatet ist. Sie hätten bestätigt, bereits seit drei bis vier Jahren in der Region stationiert zu sein. Sowohl China als auch Tadschikistan hatten die Existenz des Feldlagers dementiert.

          Russland sieht China hier als Rivalen

          Radio Free Europe/Radio Liberty berichtete nun, der tadschikische Machthaber Emomali Rachmon habe dem chinesischen Verteidigungsminister Wei Fenghe bei dessen Besuch in Duschanbe im vergangenen Juli angeboten, das Eigentum an dem Militärstützpunkt auf China zu übertragen. China hatte Tadschikistan in den vergangenen Jahren schon Mittel zur Stärkung von Sicherheitsmaßnahmen zur Verfügung gestellt, so für Grenzbefestigungen und Zentren zum Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und Separatismus. Russland unterhält in Tadschikistan seine größte Auslandsmilitärbasis überhaupt; es zählt die frühere Sowjetrepublik traditionell zu seinem „Vorhof“ in Zentralasien und sieht China hier als Rivalen.

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          Die verstärkte Zusammenarbeit mit Tadschikistan unterstreicht, dass China die Sicherheitslage in Afghanistan mit großer Sorge beobachtet. Erst am Mittwoch hatte Außenminister Wang Yi in Gesprächen mit Führern der Taliban in Doha die Forderung bekräftigt, dass diese im eigenen Land gegen uigurische Extremisten und „andere Terrorgruppen, die eine Gefahr für Chinas Stabilität darstellen“, vorgehen müssten. Die Talibanführer hatten entsprechende Zusagen gemacht. Chinas größte Sorge besteht darin, dass kampferprobte uigurische Kämpfer der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) aus Syrien nach Afghanistan reisen und von dort nach Tadschikistan einsickern könnten.

          Peking fürchtet, dass sie gegen chinesische Einrichtungen in Zentralasien Anschläge verüben könnten. Sowohl der IS als auch die sogenannten pakistanischen Taliban haben in ihrer Propaganda Sympathien mit der uigurischen Minderheit in China geäußert und Peking gedroht. In Afghanistan wurden zuletzt einige Hundert uigurische Kämpfer vermutet, die bislang auf Seiten der Taliban standen. China fürchtet außerdem eine Destabilisierung seiner Westgrenze durch den Drogenhandel aus Afghanistan.

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