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Berlusconis Gesundheitszustand : Wie gut geht es Silvio Berlusconi?

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am 11. Januar in der Talkshow „Porta a Porta“ Bild: Reuters

Einen Monat vor der Parlamentswahl hat Silvio Berlusconi wichtige Fernsehauftritte abgesagt. Seitdem spekuliert Italien darüber, ob er den Wahlkampf durchhalten kann. Doch die Auszeit könnte ihm auch Vorteile verschaffen.

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          Silvio Berlusconi weiß, wie wichtig gutes Timing ist – selbst wenn es um seine Gesundheit geht. Dass sich ein 81 Jahre alter Mann vier Wochen vor der italienischen Parlamentswahl ein wenig ausruhen muss vom Wahlkämpfen, ist nichts Ungewöhnliches. Zumal sich Berlusconi vor zwei Jahren einer schweren Herzoperation unterziehen musste. Doch spätestens seit er am Mittwoch einen weiteren wichtigen Fernsehauftritt abgesagt hat, spekuliert ganz Italien über den Gesundheitszustand des Politikers.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Berlusconi selbst beteuerte in einem Telefoninterview, es gehe ihm gut. Sein Arzt, Alberto Zangrillo, versicherte auf Facebook gar, Berlusconi habe am Mittwochvormittag zwei Stunden lang in Schwimmbad und Fitnessstudio trainiert. Auch die Mitarbeiter des Politikers verbreiteten eifrig beschwichtigende Botschaften: Berlusconis Auszeit sei nur dem Stress um die Aufstellung der endgültigen Kandidatenlisten seiner Partei Forza Italia geschuldet, nicht etwa ernsthaften gesundheitlichen Problemen.

          Doch unabhängig davon, wie es Berlusconi wirklich geht, ganz ungelegen kann ihm diese ärztlich verordnete Pause mitten im Wahlkampf nicht kommen. Denn kaum einer weiß besser als Berlusconi, wie sich mediale Aufmerksamkeit steuern lässt.

          Als Fernsehunternehmer war Silvio Berlusconi vor dem Eintritt in die Politik 1994 gerade deswegen erfolgreich, weil er Gespür für die Bedürfnisse der Italiener entwickelte und die Gesetze guter Unterhaltung kennt. Deswegen weiß er, dass er seine Fernsehauftritte derzeit ohnehin etwas reduzieren muss. In den vergangenen Wochen war er fast täglich in irgendeiner Sendung zu Gast, wenn nicht im Fernsehen, dann im Radio.

          Dieser Auftrittsmarathon erfolgte für Berlusconis Verhältnisse ungewöhnlich früh; in vergangenen Wahlkämpfen verausgabte sich der Politiker vor allem in den letzten Tagen vor dem Urnengang. Doch dieses Mal musste sich Berlusconi einen zeitlichen Vorsprung sichern: gegenüber Matteo Salvini, dem Vorsitzenden der Lega Nord. Mit der rechtspopulistischen Partei würde Berlusconis Partei Forza Italia nach der Wahl zwar gerne regieren, allerdings nicht unter Führung Salvinis.

          Deshalb nahm Berlusconi in den vergangenen Wochen bereitwillig auf allen möglichen Talkshow-Sesseln Platz. Jetzt muss er sich allerdings bremsen – bevor seine Dauerpräsenz bei den Italienern Langeweile erzeugt und er all seine Trümpfe schon vor dem Wahlkampf-Endspurt ausgespielt hat.

          Berlusconi will geliebt werden

          Die abgesagten Fernsehtermine der vergangenen Tage entbanden Berlusconi allerdings auch auf elegante Weise von der Pflicht, sich öffentlich für die endgültigen Kandidatenlisten seiner Partei zu rechtfertigen. Ein heikles Thema, denn naturgemäß fühlen sich nun viele übergangen. Und der 81 Jahre alte Politiker ist einer, der geliebt werden will – und deshalb nicht gerne Nein sagt zu Parteifreunden. Zumal er bei der Aufstellung der Kandidatenliste in diesem Jahr ungewöhnlich viele Entscheidungen an die Parteispitze delegiert hat.

          In der Lombardei gibt es nun juristische Hürden für eine Kandidatenliste, die bis zu 25 Sitze im Parlament und damit eine Mehrheit kosten könnten. Das zuständige Verwaltungsgericht in Mailand monierte fehlende Dokumente und schloss vorläufig mehr als zwei Dutzend Kandidaten des Mitte-Rechts-Bündnisses von der Wahl am 4. März aus. Darunter sind auch bekanntere Gesichter wie die ehemalige Tourismusministerin und Tierschützerin Michela Vittoria Brambilla oder Berlusconis Anwältin Cristina Rossello, die ihn bei der Scheidung von seiner zweiten und bislang letzten Ehefrau Veronica Lario vertreten hatte. Nun warten Berlusconi und seine Verbündeten auf eine Berufungsentscheidung.

          Handfesten Krach gibt es noch dazu in Kampanien, wo sich lokale Seilschaften in letzter Minute gegen die Kandidaten von Berlusconi wendeten und in letzter Minute die Kandidatenlisten änderten. Das brachte von Berlusconis Schützlingen die Vorhaltung, es gebe mafiöse Verhältnisse in der Parteiorganisation.

          Um all diese Fragen muss sich Berlusconi aber erst einmal nicht kümmern, zumindest nicht öffentlich. Und sein schlechter Gesundheitszustand ­– am vergangenen Freitag soll sein Blutdruck bei 200 gelegen haben – dürfte sich auch als Entschuldigung gegenüber enttäuschten Parteifreunden anbieten, nach dem Motto: „Wenn ich richtig fit gewesen wäre, hätte ich nicht zugelassen, dass du nicht aufgestellt wirst. “

          Berlusconis Erholungspause wird also nicht nur seiner angeschlagenen Gesundheit zugutekommen. Sie wird Mitleid wecken, Spekulationen befeuern und damit die Spannung vor seinem nächsten Fernsehauftritt steigern. Das wiederum könnte sich positiv auf die Umfrageergebnisse seiner Partei und des von ihm angestrebten Mitte-Rechts-Bündnisses auswirken. Berlusconi kennt die Regeln des Medienbetriebs.

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