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Asylpolitik in Griechenland : Warum Athen in der Migrationskrise kaum Hilfe anfordert

Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos Bild: AP

Griechenlands Ministerpräsident sagt, es sei ein Fehler gewesen, das Migrationsministerium aufzulösen. Die Zuwanderung wächst sich zur Bewährungsprobe der Regierung aus – und eine rasche Lösung ist nicht in Sicht.

          3 Min.

          Es kommt nicht oft vor, dass Regierungschefs öffentlich zugeben, entscheidende Fehler begangen zu haben. In Griechenland war es dieser Tage aber der Fall, als Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in einem Fernsehinterview eingestand, es sei falsch gewesen, das zur Zeit seines Vorgängers Alexis Tsipras aufgebaute Migrationsministerium abgeschafft zu haben. Hätte er vor sechs Monaten gewusst was er heute wisse, hätte er es nicht aufgelöst, so Mitsotakis. Als seine Regierung nun die Wiedergründung eben jenes Ministeriums ankündigte, kommentierte Oppositionsführer Tsipras, dem bisher sonst kaum ein Stich gegen seinen Nachfolger gelingt, diese Kehrtwende genüsslich: Mitsotakis habe sechs Monate und sieben Tage gebraucht, um einzusehen, was für ein Durcheinander er durch seine Entscheidungen in der Migrationskrise verursacht habe.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Das, was Mitsotakis bei seinem Amtsantritt im Sommer 2019 nicht gewusst haben will, ist inzwischen unübersehbar: Die Migrationskrise wächst sich zur größten Bewährungsprobe seiner Amtszeit aus. Inzwischen neigt der Regierungschef auch nicht mehr dazu, die Aufgabe kleinzureden. Die Ernennung eines Ministers für Migration ist nur ein Anzeichen dafür. Das undankbare Portefeuille wurde Panagiotis Mitarakis übertragen. Der galt nicht als Migrationsfachmann, lernt derzeit aber notgedrungen und nicht immer auf angenehme Art im Eiltempo dazu. Auf Lesbos, Chios, Samos und Leros, den am stärksten von der Krise betroffenen Inseln, bläst ihm der Wind von allen Seiten entgegen.

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