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Militäroperation in Westafrika : Haben russische Söldner ein Massaker in Mali verübt?

Ein Soldat der malischen Armee am 20. März 2021 in Konna, Mali Bild: AFP

Bei einem Anti-Terror-Einsatz der malischen Armee sollen Hunderte Zivilisten hingerichtet worden sein. Berichten zufolge waren daran auch Söldner der berüchtigten russischen „Gruppe Wagner“ beteiligt.

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          Nur wenige Wochen, bevor der Bundestag über die Zukunft des deutschen Engagements in Mali entscheidet, mehren sich Berichte über eines der schlimmsten Massaker der vergangenen Jahre in dem westafrikanischen Land. Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge sollen malische Streitkräfte gemeinsam mit russischen Söldnern der „Gruppe Wagner“ in der vergangenen Woche Hunderte Zivilisten ermordet haben. Laut HRW handelt es sich dabei um „die schlimmste einzelne Gräueltat“ in Mali in den vergangenen zehn Jahren. Seit 2012 tobt in dem Land ein bewaffneter Konflikt, dem bereits mehrere tausend Soldaten und Zivilisten zum Opfer gefallen sind.

          Franca Wittenbrink
          Redakteurin in der Politik.

          Laut HRW habe sich das Massaker Ende März während einer Militäroperation in Moura ereignet, einer Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern in der Verwaltungsregion Djenné in Zentralmali, die als einer der Hauptschauplätze der Gewalt in der Sahelzone gilt. In einer Erklärung des malischen Verteidigungsministeriums vom 1. April hieß es dazu, die Armee habe zwischen dem 23. und 31. März 203 „Terroristen“ getötet und 51 weitere verhaftet. Das Gebiet, das unter der Kontrolle islamistischer Kämpfer gestanden habe, sei „systematisch gesäubert“ worden. Die Armee betonte in der Erklärung, sie habe sich dabei an internationales Recht und die Menschenrechte gehalten.

          „Weiße, nicht französisch sprechende Soldaten“

          Dieser Darstellung widerspricht der am Dienstag veröffentlichte HRW-Bericht entschieden. Unter Berufung auf 27 Menschen, darunter 19 Zeugen aus der Gegend von Moura sowie Händler, Gemeindeleiter, ausländische Diplomaten und Sicherheitsanalysten, heißt es darin, am Morgen des 27. März seien malische Soldaten mit einem Hubschrauber in der Nähe des Viehmarktes von Moura eingetroffen. Begleitet worden seien sie von „weißen, nicht französisch sprechenden“ Soldaten, bei denen es sich um mutmaßliche russische Söldner der „Gruppe Wagner“ handeln soll. Die als „Schattenarmee Putins“ bekannte Truppe soll seit einigen Monaten in Mali aktiv sein.

          Augenzeugen zufolge hätten sich die Soldaten einen Schusswechsel mit einer Gruppe von Dschihadisten geliefert. Unterdessen seien immer mehr malische und ausländische Soldaten mit Hubschraubern eingetroffen, darunter einige mit Fallschirmen, hätten sich in der ganzen Stadt verteilt und die Ausgänge blockiert. „Ein weiterer Hubschrauber flog über uns hinweg und feuerte auf die Menschen, die zu fliehen versuchten“, so ein Dorfbewohner, der in dem Bericht zu Wort kommt. Bis zu 300 Menschen seien in den folgenden Tagen „hingerichtet“ und Hunderte weitere gefangen genommen worden, so HRW. Dutzende Zivilisten seien in kleinen Gruppen erschossen worden – möglicherweise aufgrund ihrer Kleidung, weil sie wie Dschihadisten einen Bart trugen oder aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Zivilisten wurden dem Bericht zufolge gezwungen, Massengräber auszuheben, bevor sie hingerichtet wurden. Einige der sterblichen Überreste seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt worden.

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