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50 Jahre King-Attentat : War James Earl Ray ein Einzeltäter?

  • Aktualisiert am

Martin Luther King im Lorraine Motel in Memphis, Tennessee kurz bevor er ermordet wurde. Bild: Picture-Alliance

James Earl Ray geht als Attentäter von Martin Luther King in die Geschichte ein. Doch seine Schuld an dem Attentat vom 4. April 1968 ist bis heute nicht eindeutig bewiesen.

          Eine Lebertransplantation und ein neuer Prozess: Das waren die letzten Wünsche von James Earl Ray, der wegen Mordes von Martin Luther King zu 99 Jahren Haft verurteilt war. Er war in einem Spezialgefängnis für pflegebedürftige Häftlinge in Nashville in Tennessee inhaftiert, starb am 23. April 1998 im Alter von 70 Jahren.

          Bis zum Schluss hatte Ray versucht, die Welt von seiner Unschuld zu überzeugen – zeitweilig sogar mit Beistand von Martin Luther Kings Angehörigen. Sie glaubten nicht daran, dass Ray als Einzeltäter den Bürgerrechtler und Pastor ermordet hatte. Rays Tod sei eine „Tragödie“, erklärte Witwe Coretta Scott King. Ein neuer Prozess für Ray hätte „neue Enthüllungen über den Mord“ produziert, sagte sie.

          Zweifel an der Schuld gründeten sich auf den ungewöhnlich kurzen Prozess sowie auf Informationen über eine massive Kampagne der amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI gegen Martin Luther King.

          Ray wurde am 8. Juni 1968 in London festgenommen. Am 10. März 1969 legte er in einem Gericht in Memphis ein Geständnis ab. Daher bekam er nicht die Todesstrafe, sondern de facto lebenslänglich. Es gab keine detaillierten Zeugenvernehmungen zum Tathergang.

          James Earl Ray auf einem Foto der Polizei in St. Louis. Bilderstrecke

          Ray zog sein Geständnis zurück aber niemand glaubte ihm

          Wenige Tage später widerrief Ray sein Geständnis. In den folgenden drei Jahrzehnten kämpfte er mit wechselnden Anwälten, vom notorischen Rassisten J.B. Stoner bis zum Menschenrechtsanwalt William Pepper. Letzterer propagierte, „FBI, CIA, das amerikanische Militär, die Polizei von Memphis und Figuren des organisierten Verbrechens“ seien in den Mord an Martin Luther King involviert gewesen.

          Ray wuchs in bettelarmen Umständen auf, schlug sich als junger Mann mit Gelegenheitsjobs und Kleinkriminalität durch, verübte bewaffnete Überfälle, landete im Knast. Im April 1967 gelang ihm der Ausbruch aus einem Gefängnis in Missouri. Seine folgende kriminelle Odyssee bis zum Mord an King ein Jahr danach, detailliert in William Bradford Huies „He Slew the Dreamer“ (1970) beschrieben, führte auch nach Mexiko und Kanada. Dort besorgte Ray sich einen falschen Pass. In Los Angeles ließ er sich von einem Chirurgen die Nase ändern. Rays Beweggründe für den Mord: Er habe Schwarze gehasst und ein Held werden wollen, endlich einmal jemand, der wichtig sei, vermutete Huie.

          Ein Kongressausschuss kam 1979 zum Schluss, die Mordwaffe sei von Ray gekauft worden, dieser sei zur Tatzeit in Memphis gewesen, und seine „angeblich entlastenden Beweise sind nicht glaubwürdig“. Der Ausschuss äußerte jedoch die Vermutung, Ray habe Helfer gehabt. Wer das gewesen sein könnte, bleibt unbeantwortet.

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