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Walter Veltroni : Der Feinsinnige

Bild: F.A.Z.-David Smith

Roms Bürgermeister Walter Veltroni gibt den neuen Hoffnungsträger in der italienischen Politik - und will das Land erneuern. Sein Wahlkampfgegner Silvio Berlusconi ist längst zum Angriff übergegangen.

          4 Min.

          Nun wird Walter Veltroni gegen Silvio Berlusconi antreten. Er will den neuen Hoffnungsträger in der italienischen Politik darstellen, den jüngeren Politiker, der einer Generation von Siebzigjährigen folgt. Doch vier Monate nach der triumphalen Wahl zum Chef der „Demokratischen Partei“ mit den Stimmen von mehr als drei Millionen Italienern ist für Veltroni die italienische Politik schon zum Minenfeld geworden.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Wenn sich Veltroni als Visionär gibt oder als treuherziger Sachwalter für die Interessen der Durchschnittsbürger, können ihm allerdings die Konkurrenten innerhalb der Partei nicht das Wasser reichen. Während die anderen italienischen Politikprofis sich Positionskämpfe um so harte Themen wie Haushalts- oder Außenpolitik liefern, kultiviert Veltroni die weichen: Kultur und Medien.

          Geprägt hat ihn der Lebenslauf des Vaters, den Walter Veltroni nie gekannt hat, weil er schon starb, als der Sohn erst ein Jahr alt war. Vater Vittorio Veltroni war in der Nachkriegszeit ein führender Kopf im Staatssender Rai und Chefredakteur der Nachrichtensendungen. Der Sohn Walter fühlt sich deshalb schon immer angezogen von Kino und Film. Mit Hingabe widmete er sich ebenfalls der Aufgabe des Chefredakteurs der Parteizeitung „Unità“ von 1992 bis 1996.

          Bisher hat sich Veltroni bewusst von der Bühne der nationalen Politik ferngehalten

          Veltroni bewundert John F. Kennedy

          Dann gewann Romano Prodi zum ersten Mal eine Wahl gegen Silvio Berlusconi und suchte sich unter den Linksdemokraten ausgerechnet Veltroni, der harmloser wirkte als andere und sich zudem noch mit dem Kulturministerium abspeisen ließ. Das „Ministerium für die Kulturgüter“ galt im Parteiengeschacher der frühen Jahre stets als das letzte Trostpflaster. Veltroni gelang es in dem Amt jedoch, mehr Macht und Aufsehen herauszuschlagen als seine Ministerkollegen in anderen Ressorts.

          Er profitierte davon, dass Italien wenige Jahre zuvor begonnen hatte, vergessene Kunstdenkmäler wieder zu restaurieren. Veltroni hatte viel zu eröffnen und nistete sich in den Köpfen der Italiener als derjenige ein, der verloren geglaubten Kunstschätzen wieder ihre gebührende Bedeutung zurückgab und damit auch noch für die Städte den Tourismus ankurbelte. Zum Nimbus des kulturellen Neuerers passt schließlich auch die Bewunderung Veltronis für John F. Kennedy. Ausgerechnet er, der in jungen Jahren als kommunistischer Funktionär nicht in die Vereinigten Staaten reisen durfte, war beeindruckt vom neuen Schwung und den neuen Hoffnungen, mit denen Kennedy die Amerikaner begeisterte.

          Haben die Italiener genug von der Methode Prodis?

          Unverbraucht wirkte Veltroni bisher, weil er sich als Bürgermeister von Rom - er ist es seit 2001 - bewusst von der Bühne der nationalen Politik fernhielt. Im Gegensatz zum allgegenwärtigen und viel redenden Vorgänger Francesco Rutelli hat Veltroni viele Probleme der Stadt pragmatisch angepackt und manches geändert. Die Rolle des Beobachters hat zudem den Blick auf die Schwächen im politischen System geschärft.

          Die Italiener hätten genug von der Methode Prodis, aus vielen zerstrittenen Partnern eine Koalition zu machen, sagt Veltroni realistisch. Prodi habe viele heterogene Verbündete hinter sich geschart; was diese dann in Prodis „Ideenfabrik“ als Programm hervorgebracht hätten, erweise sich längst als der kleinste gemeinsame Nenner, sei voller Widersprüche. Eine dritte Auflage der Prodi-Koalition von extrem links bis zur Mitte würden Italiens Wähler sowieso nicht akzeptieren. Deshalb sucht Veltroni das Beste aus der gegenwärtigen Situation zu machen. Die „Demokratische Partei“ werde nun allein antreten und nach einer Wahl für Geschlossenheit garantieren, verspricht der künftige Spitzenkandidat.

          Losgelöst von altem Ballast

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