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Wallid Muallim im Porträt : Der Damaszener

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Syriens Außenminister Walid Muallim Bild: AP

Syriens Außenminister Walid Muallim gilt als vorsichtiger Reformer und als Mann, der Syrien ein Stück weit aus der partiellen Isolation herausführen möchte.

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          Hoher politischer Besuch aus der Republik Syrien in Deutschland ist vergleichsweise selten, doch nun wird der Außenminister des Damaszener Regimes an diesem Donnerstag in Berlin erwartet. Bei den Gesprächen wird es einmal um die Lage im Libanon gehen, auf die Syrien großen Einfluss ausübt; dort ist es noch immer nicht gelungen, einen neuen Staatspräsidenten als Nachfolger von Emil Lahud zu wählen.

          Zudem werden die seit Annapolis laufenden neuerlichen Bemühungen um einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern thematisiert werden. Dazu gehört auch die syrische Stimme, denn es ist ein Gemeinplatz unter den berufsmäßigen Betrachtern der nahöstlichen Szene, dass es dort „ohne Syrien keinen Frieden geben kann“. Syrien hat denn auch, wenn auch auf diplomatisch unspektakulärer Ebene, an dem Treffen von Annapolis an der amerikanischen Ostküste teilgenommen. Es strebt danach, die von Israel besetzten und seit 1981 annektierten Golanhöhen zurückzuerhalten.

          Der Außenminister Walid Muallim gilt als vorsichtiger Reformer und als Mann, der Syrien ein Stück weit aus der partiellen Isolation herausführen möchte. Zwar rechnet der amerikanische Präsident Bush Syrien zur „Achse des Bösen“, doch wird man dem Regime Assad damit nicht gerecht.

          Syriens gewalttätige Verstrickungen in die libanesischen Angelegenheiten (da gab es auch Anschuldigungen gegen höchste Politiker) wiegen gewiss schwer, doch andererseits war das Regime immer berechenbar und aberwitzigen politischen Abenteuern abhold. Als letztes Refugium des Baath-Nationalismus lehnt Damaskus auch den radikalen Islam ab, trotz seines taktischen Bündnisses mit Teheran und der Hizbullah. Außenminister Steinmeier ist sich dieser Dinge wohlbewusst. Obwohl Syrien kein mächtiger Ölstaat ist wie etwa Saudi-Arabien, verfügt seine Führung doch über familiäre Bande mit Riad. Und seine vergleichsweise austarierte Religionspolitik im Innern empfiehlt diesen „Frontstaat“ trotz allem als Macht einer gewissen Balance in aufgewühlter Zeit. Muallim weiß das sicher geschickt in die Waagschale zu werfen.

          Der Nachfolger des langjährigen Außenministers Faruk al Scharaa ist ein Damaszener, geboren im Jahre 1941. In der arabisch-nationalistischen und sozialistischen Baath-Partei politisch „aufgewachsen“, diente der Nationalökonom und Karrierediplomat seinem Land in wenig auffälliger Weise auf zahlreichen Botschafterposten, unter anderem in Rumänien und zehn Jahre in den Vereinigten Staaten. Als Stellvertreter Scharaas stand er lange in dessen mächtigem Schatten, doch seitdem er ihn im Jahre 2006 ablöste, konnte er sich als in der Sache zwar harter, doch im Ton meistens zurückhaltender Politiker profilieren.

          Mit den Palästinensern verbindet Syrien nicht nur die Tatsache, dass noch immer Flüchtlingslager dort existieren; Damaskus gewährt auch Khaled Meschal, dem Exilführer der Hamas, Aufenthalt. Stoff zum Reden mit Muallim gibt es wahrlich genug.

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