https://www.faz.net/-gpf-abqr8

Labour-Erfolg in Wales : Wenn der Ministerpräsident den eigenen Garten umgräbt

Wales Regierungschef Mark Drakeford (Mitte) von der Labour-Partei am 8. Mai zwischen zwei neugewählten Abgeordneten des walisischen Regionalparlaments Bild: dpa

Die Labour Party ist in Wales stärker geworden – gegen den nationalen Trend. Erreicht hat sie das durch bodenständige und ausgleichende Politik. Ministerpräsident Mark Drakeford verkörpert sie.

          3 Min.

          Nach den jüngsten „Zwischenwahlen“ in Großbritannien wurde die Labour Party als der große Verlierer dargestellt. Dabei schnitt sie mancherorts gar nicht so übel ab. Aber wer im Vereinigten Königreich blickt schon bis Wales? Mark Drakeford, der dort seit 2018 als Ministerpräsident („First Minister“) regiert, verteidigte seinen Posten – seine Labour Party erhielt sogar einen Sitz mehr im Cardiffer „Senedd“. Dass der Erfolg im allgemeinen Abgesang auf Labour unterging, liegt bösen Zungen zufolge auch daran, dass Drakeford die kleine Nation am Westende der Insel geradezu verkörpere: unauffällig und ein bisschen hinterwäldlerisch.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Man weiß nicht einmal, ob sich Drakeford davon beleidigt fühlen würde. Er ist stolz darauf, verwurzelt zu sein, eine Kuh melken zu können und Tomaten auf dem Fensterbrett seines Büros zu ziehen. Zu Hause den Garten umgraben, sagte er einmal, befriedige ihn mehr als politische Arbeit – immerhin sehe man einen Anfang und ein Ende. Drakeford, 66 Jahre alt, hat nie außerhalb von Wales gelebt und gearbeitet; einzige Ausnahme war sein Latein-Studium in Kent. Seit die drei Kinder selbständig sind, wohnt der Professor für angewandte Sozialwissenschaften mit seiner Frau und der Schwiegermutter in einem Haus zusammen. Weil die beiden Frauen Risikogruppen angehörten, zog er während der Pandemie in die Gartenlaube. In Mußestunden spielt er Klarinette.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          DFB-Liebling Robin Gosens : „Zwick mich mal“

          Die Geschichte von Robin Gosens gibt es eigentlich nicht mehr: Von einem, der auf dem Dorfplatz entdeckt wurde und nun bei der EM für überwältigende Momente sorgt.
          Ein Soldat der Kommando Spezialkräfte.

          Skandale in der Bundeswehr : Spezialkräfte ohne Korpsgeist?

          Verbrechen müssen selbstverständlich aufgeklärt werden. Spezialeinheiten werden aber stets einen besonderen Zusammenhalt pflegen. Das sollten sich die Deutschen klarmachen.