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Katastrophe in Griechenland : Feuerwehr, die kein Feuer löschen darf

Die schwersten Brände seit mehr als einem Jahrzehnt: In Mati am Dienstag

Im Februar 2014 sei in Griechenland eine Gesetzesänderung beschlossen worden, die „katastrophale Folgen“ für die freiwilligen Wehren des Landes gehabt habe. „Seither dürfen wir de facto keine Feuer mehr löschen – das ist nun allein den Berufsfeuerwehren vorbehalten. Wenn es brennt, darf nur die Berufsfeuerwehr entscheiden, ob sie unsere Hilfe anfordern will oder nicht.“ Aber bis sie den Brandherd erreicht habe, hätten Freiwillige in vielen Fällen schon längst an Ort und Stelle sein können, so Sachinidis. Die Berufsfeuerwehr in Griechenland habe nur etwa 270 Wachen im Lande, mitunter dauere die Anfahrt zu einem Brand bis zu einer Stunde.

„Aber selbst, wenn wir Kräfte in der Nähe hätten, dürften wir nicht auf eigene Initiative ausrücken“, kritisiert Sachinidis. Doch wenn das stimmt – in wessen Interesse liegt eine solche Regelung? „Nach unserer Kenntnis ist die Gesetzesänderung auf Verlangen der Berufsfeuerwehren zustande gekommen, da sie in uns eine Konkurrenz gesehen haben.“ Das sich um 2012 gut entwickelnde Netz freiwilliger Feuerwehren habe schließlich Erfolge vorweisen können. Oft seien Freiwillige vor den Profis am Brandherd gewesen, hätten mitunter Feuer gar gelöscht, bevor diese eingetroffen seien. Das habe offenbar einige gestört, mutmaßt Sachinidis.

Löscharbeiten hätten glimpflicher ablaufen können

Seit der Gesetzesänderung sei nun alles anders. Die Schule in Rizomata ist geschlossen. Nach einer anonymen Anzeige vor einigen Jahren wurden Ermittlungen gegen ihn und Esepa wegen des Verdachts der Unterschlagung von Spendengeldern eingeleitet. „Doch in jahrelangen Untersuchungen hat die Sondereinheit des Finanzministeriums keinen Missbrauch nachweisen können. Schließlich sind sie, im Gegenteil, sogar zu dem Schluss gekommen, dass ich privat absolut sauber bin und Esepa auch. Sie sagten sogar, der Umgang mit Finanzen bei Esepa könne als Beispiel für andere griechische Organisationen dienen“, behauptet Sachinidis.

Er gibt sich überzeugt, dass die Feuerkatastrophe vom Montag glimpflicher hätte ablaufen können, wenn Esepa noch die alten Rechte und ihre einstige Stärke gehabt hätte. „Das ist absolut sicher. Ich kenne die Gegend, in der die Feuer gewütet haben. Wir hatten dort einst Freiwillige. Die hätten sofort löschen können.“ Doch seit Esepa vom Brandschutz ausgeschlossen worden sei, seien von einst 2000 Mitgliedern nur noch wenige Dutzend geblieben – so stellt Sachinidis es dar. „Griechenland verlangt jetzt Hilfe von anderen Ländern, obwohl wir diese Hilfe im eigenen Land hätten organisieren können.“

Alles erinnert an 2007

Esepa habe zuletzt noch 70 Tanklöschfahrzeuge gehabt, „im besten Zustand. Die sind aber alle abgemeldet, damit wir nicht Versicherung und KFZ-Steuer dafür bezahlen müssen.“ Seit Jahren versuche er, die Politik dazu überreden, die Gesetzgebung wieder zu ändern, um den Freiwilligen eine aktivere Rolle zu ermöglichen. Doch es gelinge ihm nicht, zu dem zuständigen Minister vorzudringen. Er vermute, das liege an einer starken Lobby der Berufsfeuerwehren, die den Minister abschirme. „Das Gesetz von 2014 hat das Engagement für die freiwilligen Feuerwehren zerstört. Obwohl dieses Land ein solches Engagement dringend bräuchte“, lautet sein Fazit. Das ist, wohlgemerkt, nur die Version von Sachinidis. Es ist möglich, dass ihm in den kommenden Tagen widersprochen werden wird. Sollte Sachinidis aber glaubhaft nachweisen können, dass eine andere Struktur der Feuerwehren Leben hätte retten können, wird die griechische Regierung womöglich Schwierigkeiten bekommen.

Die Lage erinnert an die verheerenden Brände von 2007, die ebenfalls viele Todesopfer forderten. Vor elf Jahren hatte eine langanhaltende, von einer Hitzewelle begleitete Dürre den Balkan geplagt und auch in Serbien, Bulgarien und Mazedonien Großbrände ausgelöst. Am schlimmsten waren die Feuer jedoch in Griechenland. Dort hatten sie auch politische Folgen: Als die Feuer gelöscht waren, machten Griechen bei Demonstrationen ihrem Ärger gegen die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis und seines Innenministers Prokopis Pavlopoulos Luft. Sie sahen in Karamanlis und Pavlopoulos (dem heutigen Staatspräsidenten), die Hauptverantwortlichen für ein als mangelhaft empfundenes Krisenmanagement und die als unzureichend bewertete Einsatzfähigkeit der Feuerwehren. Eine der Forderungen von Fachleuten lautete damals: Griechenland muss ein leistungsfähiges Netz freiwilliger Feuerwehren erhalten.

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