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Wahlkampf von Le Pen : Seriosität statt Häme

Die Vorsitzende des Ressemblement National (RN), Marine Le Pen, nach ihrer Rede in Fréjus an der Cote d’Azur Bild: AFP

Statt nach Rechts und Links Sticheleien zu verteilen, gibt sich Marine Le Pen bei ihrer Comeback-Rede staatstragend. Für ihr Ziel, den Einzug in den Elysée-Palast 2022, hat die Vorsitzende des Rassemblement National eine Strategie.

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          Marine Le Pen hat den Elysée-Palast wieder fest im Blick. Alle vier französischen Nachrichtensender übertrugen am Sonntag die Comeback-Rede der 51 Jahre alten Vorsitzenden des Rassemblement National (RN). Ein halbes Jahr vor den Kommunalwahlen im ganzen Land meldete sie sich mit einem Plädoyer „der Bürgernähe im Dienste der Franzosen“ zurück. „Die Zukunft liegt nicht in der Globalisierung, aber in der Nation“, sagte sie bei der traditionellen Sommeruniversität ihrer Partei in Fréjus an der Cote d’Azur.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Nach den Europawahlen mit einem Ergebnis von 23,31 Prozent sieht sie in den Kommunalwahlen eine weitere Etappe auf dem Weg an die Macht. Sie verglich sich mit einer Bergsteigerin, die geduldig „Karabinerhaken um Karabinerhaken“ den Gipfel, „den Elysée“ erklimmen werde. Die Anhänger jubelten, aber die gewohnten Sprechchöre auf „Marine! Marine!“ erklangen nur am Anfang der Rede.

          Die ganz in Schwarz gekleidete Parteichefin bezeichnete ihre Rede selbst als „streckenweise trocken“. Sie gab sich staatstragend und verzichtete auf Häme und Sticheleien. Sie teilte nicht mehr gegen die Konkurrenz von rechts und links aus, sondern diagnostizierte kühl den Bedeutungsverlust der früheren Präsidentenpartei der Republikaner (LR), die seit den Europawahlen mit 8,5 Prozent der Stimmen ums Überleben kämpft. Le Pen umwarb in Fréjus ganz unverfroren die Wähler der Republikaner, aber auch die, wie sie sagte „verwaisten“ Wähler der Linken.

          Kein Wort über europäische Verbündete

          Namentlich forderte Le Pen einen Überläufer von der Linkspartei „Das unbeugsame Frankreich“ (LFI) auf, möglichst viele Gleichgesinnte bei den Kommunalwahlen anzuwerben. Sie träume nicht von einer „Union der Rechten“, sagte sie und kanzelte damit indirekt ihre Nichte Marion Maréchal ab. Maréchal träumt von einem Zusammenschluss der bürgerlichen Rechten mit ihrer Partei. Marine Le Pen betonte, ihr Ziel sei „eine nationale Union“. Mehr denn je sieht sie sich als Hauptgegnerin Präsident Macrons.

          Die Parteichefin betonte, dass die Gelbwesten-Krise noch lange nicht beendet sei. Sie verglich die Proteste mit einem Vulkanausbruch. Es werde weitere Ausbrüche geben. Macron versuche, die Franzosen mit viel „Blablabla“ einzuschläfern, aber von den kleinen Debatten zur Rentenreform, die auf die „Große Debatte“ folgen, ließen sich ihre Landsleute nicht mehr täuschen. Le Pen verlangte einen „Steuerfrieden“ und ein neues Wirtschaftsmodell, das den urbanen Konzentrationsprozess beende. „Lokal ist besser“ lautete ihre Botschaft vor den Kommunalwahlen im nächsten März. Ausgiebig ließ sie die Bürgermeister ihrer Partei beklatschen. Anders als ihr Vater hat Le Pen die RN-Bürgermeister angewiesen, sich den „lokalen Gegebenheiten“ anzupassen. In Fréjus beispielsweise hat der RN-Kader David Racheline eine Wählerschaft für sich gewonnen, die zuvor Republikanern ihre Stimme gaben.

          Die Strategie der Seriosität soll Marine Le Pen 2022 in den Elysée-Palast bringen. Das ist zumindest das Credo, das ihr neuer Chefberater Philippe Olivier ihr eingeflüstert hat. Oliviers Einfluss ist seit dem Abgang des jahrelangen Parteivizes Florian Philippot und dem Rückzug Marion Maréchals gestiegen. Wie so oft in der Partei mit Clanstrukturen ist er auch privat mit der Chefin verbandelt: er ist der Ehemann der ältesten Le Pen-Tochter Marie-Caroline. Auf den ehemaligen Marineoffizier geht auch der Versuch zurück, Sympathien in der Armee in Wahlmandate umzuwandeln. So soll bei den Kommunalwahlen in Carpentras ein General im Ruhestand für Le Pens Partei antreten.

          Über ihre europäischen Verbündeten verlor Le Pen anders als noch vor einigen Monaten kein Wort. Sie reihte sich lieber in den „von Brasilien, die Vereinigten Staaten über Indien und Russland“ sich spannenden Bogen der Völker ein, die sich von Globalisierung abwenden. Sie mokierte sich über den Versuch der neuen EU-Kommission, die Art zu Leben der Europäer schützen zu wollen. „Das ist der Beweis, dass sogar die Europafanatiker zweifeln“, sagte Le Pen. Sie sprach von einem „politischen Sieg“. „Auch die EU muss eingestehen, dass Masseneinwanderung unsere Art zu Leben verändert.“

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