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Wahlkampf in Österreich : Die Zuckerln der kleinen Riesen

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Am Fuße der Karawanken setzt das LiF unter anderem auf Stimmen aus der slowenischen Volksgruppe, weshalb man den über den „Ortsschilderstreit“ bekannt gewordenen Rechtsanwalt Rudolf Vouk weit oben auf die Bundesliste setzte. Vouk ist Exponent der slowenischen „Enotna lista“. Die „Einheitsliste“ beschloss, das LiF aktiv zu unterstützen. Und noch ein Kärntner soll für ein Comeback der Liberalen sorgen: Hans Peter Haselsteiner, der Chef der Strabag. Ohne seine finanzielle Unterstützung würde das LiF längst nicht mehr existieren. Der Herr über das drittgrößte Bauunternehmen Europas liebäugelt mit dem Sozialministerium für den Fall, dass seine Partei der nächsten Regierung angehören sollte. Zeigen möchte Haselsteiner, dass auch ein „Baulöwe“ wie er, der für eine Erhöhung der Spitzensteuersätze für Reiche eintritt, zu einer sozialpolitischen Neuordnung Österreichs bereit und fähig ist.

Konkurrenz von Grünen und Liberalen

In der Bundeshauptstadt mit ihren mehr als einer Million Wahlberechtigten haben die Liberalen ihr größtes erwartbares Stimmenpotential – in Konkurrenz zu den Grünen. Alexander van der Bellen, deren Chef, gibt sich darob gelassen. Doch beide Parteien buhlen weithin um die Gunst desselben Wählersegments. Die Grünen haben ihr Wahlprogramm in zehn Punkte verpackt. Ihren Schwerpunkt legen sie auf den Umstieg auf alternative Energien; Atomenergie und Gentechnik werden klar abgelehnt. In der Entlastung des Mittelstands treffen sich die Grünen sowohl mit dem LiF als auch mit ÖVP, FPÖ und BZÖ. Weitere Punkte sind Armutsbekämpfung sowie Asylpolitik. Auch bei „Minderheitenthemen“, beispielsweise der Gleichstellung homosexueller Paare, konkurrieren sie mit den Liberalen. Und sie setzen, wie das LiF, auf Jung- und Erstwähler. Diesmal dürfen bereits Sechzehnjährige wählen. Das und die Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf Jahre hat die große Koalition beschlossen.

Gegen deren Neuauflage hegen die Österreicher eine tiefe Abneigung. Zugleich hält eine Mehrheit der Befragten „die Ausgrenzung“, also das Fernhalten von FPÖ und BZÖ von der Regierung, für falsch. Dass FPÖ und BZÖ beträchtlich zulegen werden, sagen alle Institute voraus; zusammen dürften sie jenem Ergebnis von 27 Prozent nahekommen, das die FPÖ 1999 unter Haider erzielte. Doch eine „Wiedervereinigung“ der beiden Parteien, die um Stimmen in denselben Wählerschichten ringen, scheint vorerst kaum möglich.

Haider und Strache: „Original und Fälschung“

Strache agiert wie weiland Haider in seinen besten Zeiten. Selbst dessen Parole aus dem Wahljahr 1995 – „Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist“ – hat er plakatieren lassen. Haider sagt nun, er sei „das Original, Strache die Kopie“. Unablässig durchquert Strache das Land, hält drei oder vier Kundgebungen am Tag ab. Und abends zieht er von Disko zu Disko. Wenn er beim Abtanzen die jungen Leute für sich und seine Politik zu gewinnen trachtet, trägt er meist ein T-Shirt mit eigenem Konterfei, das ausgerechnet der Ikone des Linken-Idols Che Guevara nachempfunden ist.

Dass Strache mit derlei Auftritten punkten kann, zeigt sich an Umfrageergebnissen. Während seine Partei zwischen 17 und 20 Prozent liegt, kommt sie offenbar wegen des „Strache-Effekts“ im Wählersegment zwischen 16 und 30 Jahren überdurchschnittlich gut an. Noch eine andere potentiell sympathisierende Wählergruppe bearbeitet Strache systematisch: Wettert er sonst hemmungslos gegen den Zustrom von Ausländern und Asylanten, so hat er Zehntausende eingebürgerte Serben hinter sich, wenn er die „völkerrechtswidrige Anerkennung des Kosovo“ geißelt und sich für die Anerkennung der serbischen orthodoxen Kirche in Österreich ausspricht.

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