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Wahlkampf in Italien : Melonis Puder und die Frauenfeindlichkeit

Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Fratelli d`Italia, Giorgia Meloni Bild: dpa

Giorgia Meloni „pudere“ ihr Erscheinungsbild gegenüber der internationalen Presse, sagt der Vorsitzende der italienischen Sozialdemokraten. Die Rechtspopulistin wirft ihm Frauenfeindlichkeit vor.

          2 Min.

          Am Montag ist „Ferragosto“, das Hochfest der Ferienzeit am katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt. Und Italien steht mitten im Sommer mitten im Wahlkampf. Das hat es seit Gründung der Republik 1946 noch nicht gegeben. Gewählt wurde immer zwischen Februar und Juni. Jetzt wird das vorzeitig aufgelöste Parlament am 25. September neu gewählt. Weder Politiker noch Demoskopen wissen, was die Wähler mit der Kampagne „unterm Sonnenschirm“ anfangen werden. Wird der Überdruss an der Politik weiter wachsen? Werden weniger Leute wählen gehen?

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Eine Art Startschuss zur heißen Phase des Wahlkampfs hat nun Enrico Letta abgefeuert. Es war zugleich eine Breitseite des Parteichefs der Sozialdemokraten gegen Giorgia Meloni, die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens). Letta warf Meloni vor, sie sei gerade dabei, „ihr Erscheinungsbild zu ändern, sich zu pudern“. Mit dem Etikettenschwindel werde sie aber nicht durchkommen, man erkenne auch unter der Schminke die Verbündete Viktor Orbáns.

          Meloni antwortet dem „lieben Letta“ erstens mit dem Gegenvorwurf, mit der Metapher vom Pudern habe er sich als misogyn geoutet: Frauen sollten sich offenbar „um Make-up und Handtäschchen kümmern“ statt um Politik. Zweitens sei die Position der Brüder Italiens in der Außen- und Sicherheitspolitik „glasklar und kohärent“: Der „Polarstern“ zur verlässlichen Orientierung sei „die Verteidigung der nationalen Interessen Italiens“. Und Ratschläge von angeblichen Verfechtern der transatlantischen Partnerschaft, die sich zugleich „radikale Linke mit Sowjetnostalgie“ ins Boot holen, nehme man schon gar nicht an. „Wir brauchen kein Puder, während Sie Ihre Widersprüche nicht einmal mit Kitt überdecken können“, giftete Meloni zurück.

          Bis zu 40 Prozent noch unentschlossen

          Hintergrund der Polemik zwischen den Duellanten ums höchste Regierungsamt ist auf der einen Seite das Wahlbündnis, das Letta mit der Partei Sinistra Italiana (Italienische Linke) unter Nicola Fratoianni geschlossen hat. Der Linken-Chef gehörte 17 Jahre lang der orthodoxen Partei der Kommunistischen Wiedergründung an. Die wollte nach dem Zerfall der moskautreuen Kommunistischen Partei Italiens von 1991 weiter mit Hammer und Sichel marschieren. Der Preis für Lettas Bündnis mit der radikalen Linken war der Austritt der linksliberalen Partei Azione des früheren Wirtschaftsministers Carlo Calenda aus dem Letta-Bündnis.

          Auf der Gegenseite bezog sich Letta mit seinem Puderangriff gegen Meloni auf deren jüngste internationale Medienoffensive. Melonis Brüder Italiens liegen mit 24 Prozent Zustimmung in den Umfragen einen Prozentpunkt vor Lettas Sozialdemokraten. Außerdem hat Meloni mit Matteo Salvinis rechtsnationaler Lega (14 Prozent) und Silvio Berlusconis christdemokratischer Forza Italia (acht Prozent) zwei recht potente und dazu loyale Bündnispartner. Solche Partner fehlen Letta auf der Linken und zumal in der politischen Mitte, trotz heftig-hektischen Werbens in viele Richtungen. Manche Demoskopen und Politologen glauben, Letta habe kaum mehr Chancen, Meloni beim Wettlauf zum Palazzo Chigi, den Amtssitz des Ministerpräsidenten, noch einzuholen. Obschon bis zu 40 Prozent der Wähler noch unentschlossen sind.

          Jedenfalls setzte sich Meloni, leicht gepudert und stark zuversichtlich, vor eine Kamera und ließ eine Videobotschaft auf englisch, französisch und spanisch aufzeichnen und hernach verbreiten. „Es heißt, ein Sieg meiner Partei bei den Wahlen im September wäre ein Desaster, führte zu einer autoritären Wende, zum Austritt Italiens aus dem Euro und zu anderem Unsinn dieser Art“, sagte Meloni. Nichts sei wahr an diesen Lügen, die „ein mächtiger Medienzirkel der Linken“ verbreite.

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