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Wahlkampf in Frankreich : Schlacht unter freiem Himmel

Wer ist Frankreich?Die Anhänger Sarkozys und die Hollandes (einer davon im Bild) beanspruchen für sich, für mehr als bloß für sich selbst zu sprechen Bild: Felix Schmitt

Place de la Concorde gegen Vincennes: Eine Woche vor dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl in Frankreich liefern sich Nicolas Sarkozy und François Hollande und ihre Anhänger ein Fernduell in der Hauptstadt.

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          Jetzt steht es Menschenmenge gegen Menschenmenge, blau-weiß-rote Flaggen gegen weiße Wimpel und rote Fähnchen. Nicolas Sarkozy und François Hollande haben am Sonntagnachmittag, eine Woche vor dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl, in der Hauptstadt Paris ihre Kräfte gemessen. Sarkozy wandte sich in seiner Rede, die von der Forderung nach einer von der Europäischen Zentralbank unterstützten europäischen Wachstumsinitiative geprägt war, „an die schweigende Mehrheit“ und rief sie dazu auf, in diesem „historischen Augenblick“ nicht die falsche Wahl zu treffen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          François Hollande, der schon seit Monaten Nachverhandlungen am europäischen Fiskalpakt verlangt, sprach seinem Publikum Mut zu: Der Wahlsieg liege nahe. Am kommenden Sonntag „werden wir Frankreich sein“, sagte Hollande. Es werde keine schweigende Mehrheit mehr geben, sondern ein einiges Frankreich. Nach einem „gescheiterten Mandat“ könne der Präsident sich nicht ein neues Mandat erhoffen, so der Sozialist vor seinen Anhängern, die sich vor dem Schloss von Vincennes am grünen Rand des östlich gelegenen 12. Arrondissements versammelt hatten. Auf ihren weißen Fähnlein prangte der Wahlkampfslogan „Jetzt für den Wandel“ („Le changement, c’est maintenant“). Andere hielten rote Fähnchen mit der Inschrift „Es lebe Mai“ („Vivement mai“) - eine Anspielung auf die entscheidende Stichwahl am 6. Mai, aber auch auf den im Mai 1968 begonnenen Marsch der Linken durch die Institutionen. Einige trugen die an die Französische Revolution erinnernden phrygischen Mützen als Zeichen dafür, dass sie sich als Vorboten eines großen Wandels sehen.

          Retrokundgebungen mit Musik im Freien

          Zur gleichen Zeit drängten sich rund um den Obelisken von Luxor auf der Place de la Concorde (Platz der Eintracht) die Sympathisanten Präsident Sarkozys, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Blaue Stellwände mit dem Wahlkampfslogan „Das starke Frankreich“ („La France forte“) und im Hintergrund die Kolonnen der Nationalversammlung bildeten neben den Trikolore-Fahnen und den Luftballons in den französischen Nationalfarben die staatstragende Kulisse. In Vincennes herrschte Volksfeststimmung, die Wartenden tanzten zu Live-Musik der Gruppe Jacob Desvarieux (Kassav). An der Place de la Concorde hielten sich die Franzosen mit dem Schwenken der Trikolore-Flaggen zu den Reden von Parteigrößen wie UMP-Chef Jean-François Copé, Premierminister François Fillon oder Außenminister Alain Juppé im Vorprogramm warm.

          „Der Wahlsieg liegt nahe“: François Hollande sprach seinem Publikum Mut zu

          Wer hat mehr Leute an diesem kühlen Pariser Frühlingstag ins Freie gelockt? Dieser Frage kam bei der Kundgebungsschlacht der beiden „großen Kandidaten“ der Präsidentenwahl genauso viel Bedeutung zu wie ihren Reden. Auf der Place de la Concorde kündigte Alain Juppé 160.000 Teilnehmer an, die sozialistische Abgeordnete Aurélie Filippi sprach für die Gegenveranstaltung von 100.000. Sollte Concorde das Spiel gegen Vincennes gewinnen? Damit würde zumindest das Kalkül Sarkozys aufgehen, der sich gegen die jüngsten Umfrageergebnisse stemmt, die ihm eine doppelte Niederlage vorhersagen. Im ersten Wahlgang soll er demnach hinter seinem sozialistischen Herausforderer liegen, um im zweiten dann eine klare Niederlage zu erleiden. Hollande wiederum verfolgte das Ziel, seine potentiellen Wähler bei der Stange zu halten. Beide Kandidaten fürchten eine geringe Wahlbeteiligung am Wahltag des 22. April, der mitten in den Schulferien liegt.

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