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Mit wohlgesetzten Worten : Wie Biden seinen Gegner in die Falle lockt

  • -Aktualisiert am

Joe Biden fordert Trump mit wohl gesetzten Worten heraus Bild: AP

Trump will sich als „Law and Order“-Präsident inszenieren. Doch auf Amerikas Straßen kommt es immer wieder zu Gewalt. Joe Biden weiß das für sich zu nutzen.

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          Donald Trump hat Joe Biden in gewisser Weise einen Gefallen getan. Der Herausforderer des amerikanischen Präsidenten hatte zu Beginn seiner Kandidatur gesagt, am Tag von Charlottesville sei ihm klar geworden, dass er antreten müsse. Das war im Sommer 2017. In der Stadt in Virginia war es zu Zusammenstößen von Neonazis und Gegendemonstranten gekommen. Trump sprach von „guten Leuten auf beiden Seiten“ – und erwiderte auf die folgende Empörung: Er habe nicht die Neonazis gemeint, sondern jene Leute, die für den Verbleib einer Statue des Südstaatengenerals Robert Lee demonstriert hatten.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Drei Jahre später wiederholte sich die Geschichte. Biden reiste am Montag nach Pittsburgh. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten hielt eine Rede an der Carnegie-Mellon-Universität, in welcher er – nun, da der Wahlkampf in seine heiße Phase geht – ein paar Dinge zurechtrücken wollte. Trumps Versuche, von der Pandemie abzulenken und ihn als Marionette von Linksradikalen zu porträtieren, konterte Biden mit Worten, welche den Präsidenten später wiederum verleiten sollten, das zu tun, was er schon seinerzeit getan hatte: sich nämlich bei der Aneignung der Rolle des „Law and Order“-Präsidenten selbst zu karikieren.

          Biden sagte in der Rede vor Kameras und ohne Publikum: „Dieser Präsident hat vor langer Zeit jede moralische Führung in diesem Land eingebüßt“. Er könne die Gewalt nicht stoppen – weil er sie jahrelang geschürt habe. „Es wüten Brände und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht, anstatt sie zu bekämpfen.“ Trumps Bemühungen, den Amerikanern zu sagen, Biden sei nicht derjenige, für den sie ihn hielten, entgegnete er: „Sie kennen mich. Sehe ich wie ein radikaler Sozialist aus, der eine Schwäche für Randalierer hat?“ Er wolle klar sagen: Randale sei kein Protest. Plünderungen seien kein Protest. „Es ist Gesetzlosigkeit – schlicht und einfach.“ Gewalt werde keine Veränderung bewirken. Es sei falsch, in jeder Hinsicht. Es spalte. Es müsse aufhören.

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          Trump möge glauben, sagte Biden weiter, es mache ihn stark, wenn er den Begriff „Law and Order“ im Munde führe. Dass er es nicht schaffe, seine eigenen Anhänger aufzufordern, nicht wie eine bewaffnete Miliz in diesem Land aufzutreten, zeige indes, wie schwach er sei. Trump habe darin versagt, Amerika zu schützen. Deshalb verbreite er jetzt Angst. „Je mehr Chaos und Gewalt, desto besser ist es für Trumps Wiederwahl.“

          In einer dunklen Schattenwelt

          Das waren wohlgesetzte Worte. Biden weiß, wie er Trump provozieren kann. Der Präsident lief in die Falle seines Herausforderers: In einem Interview mit dem Sender „Fox News“ wurde ihm die Redepassage vorgespielt. Trumps Reaktion: Biden sei „ein schwacher Mensch, er war sein ganzes Leben lang schwach. Er sollte nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren.“ Dann machte er finstere Andeutungen: Biden werde von Leuten manipuliert, die im Verborgenen agierten. Wen er damit meine, wurde er gefragt. „Leute, von denen man noch nie gehört hat. Leute in einer dunklen Schattenwelt.“ Nach der Geraune darüber, dass Barack Obama womöglich gar nicht in Amerika geboren worden sei, nun also dunkle Gestalten, welche die Fäden zögen.

          Trump äußerte sich auch zu einem Vorfall in der Stadt Kenosha im Südosten Wisconsins. Der 17 Jahre alte Kyle Rittenhouse war mit einem Sturmgewehr losgezogen, um, wie sein Anwalt angibt, die Stadt vor Randalierern zu schützen, welche ein neuer Fall von Polizeigewalt gegen einen Afroamerikaner auf die Straße getrieben hatte. Der minderjährige Weiße erschoss dabei zwei Demonstranten und verletzte einen weiteren. Trumps Lesart – mit Verweis auf ein Video: „Er hat versucht, von ihnen wegzukommen, und dann ist er gefallen und dann haben sie ihn sehr heftig angegriffen“. Weiter: „Ich denke, er war in großer Not, er wäre wahrscheinlich getötet worden.“ Das war eine Art Neuauflage seines Charlottesville-Kommentars, zumal er zuvor schon seine Anhänger, die in Portland mit Paintball-Gewehren auf Demonstranten geschossen hatten, als friedliche Patrioten bezeichnet hatte.

          Am Dienstag brach Trump nach Kenosha auf, um sich mit den Sicherheitsbehörden zu treffen und sich die Schäden anzusehen, welche die Randalierer angerichtet haben. Kenosha glich einer schwer gesicherten Festung. Die örtliche Führung der „Black Lives Matter“-Bewegung hatte vor Ankunft des Präsidenten die Losung ausgegeben: Keine Gegendemonstrationen. Man wolle nicht in Trumps Falle tappen.

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