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Wahlen in der Mongolei : Der Nomade fährt Auto

  • -Aktualisiert am

Mobil: Wahlkampf der Regierungspartei in der Stadt Khanbogd Bild: AFP

Die Mongolen wählen an diesem Donnerstag ein neues Parlament. Die Wirtschaft boomt, aber der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt. Desillusionierung greift um sich.

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          Als Viehzüchter Zorigoo mit seiner Herde von 100 Pferden zu seinem üblichen Sommerweideplatz westlich von Ulan-Bator kam, fand er seine Weidegründe umzäunt und abgesperrt. Koreaner hätten da eine Zementfabrik gebaut, schimpft er. Die Ausländer kämen in die Mongolei, holten alles aus der Erde und zerstörten das Weideland. Bald werde für die Mongolen nichts mehr übrig sein. Zorigoo ist Nomade, er kommt im Sommer mit seiner Familie in die Nähe der Hauptstadt, schlägt dort seine Jurte auf und verkauft Stutenmilch. Von den Umwälzungen, die das Land erfasst haben, hält er nichts. „Bergbau und Baustellen vertreiben uns Nomaden“, sagt er. „Das Weideland wird weniger, und was bleibt, wird verdorben. Wir haben aber keinen Lohn wie die Städter, wir leben von unseren Tieren. Aber daran denken die Politiker nicht.“

          Unweit von Zorigoos traditionellem Weidegrund wächst hinter einem Zaun das neue Ulan-Bator. Auf der einen Seite entsteht eine Siedlung von Reihenhäusern. Frau Bayar, eine Stadtangestellte, ist stolz auf ihren neuen Besitz. Sie hat das Haus für umgerechnet 70 000 Euro gekauft. Sie verstehe den Ärger der Viehzüchter, sagt Frau Bayar, aber die Stadt wachse eben ständig. Sie brauche Platz. Auf der anderen Seite von Zorigoos Pferdeherde liegt in einem malerischen Tal ein ganz anderes Neubaugebiet. Hier baut die neue Klasse der Reichen ihre Villen mit großen Grundstücken. Hier lassen sich die nieder, die in den vergangenen Jahren an das große Geld gekommen sind. Auch da war Weideland.

          Auch die Luxusgeschäfte haben Einzug gehalten

          Die Mongolei erlebt einen Wirtschaftsboom. Um 17 Prozent ist die Wirtschaft 2011 gewachsen. Zu verdanken ist der Boom vor allem den großen Rohstoffvorkommen und dem Hunger der Welt nach Uran, Kohle, Gold und seltenen Erden. Die Mongolei wird von allen umworben. Ausländische Investoren bemühen sich um Lizenzen für die Erschließung der Bodenschätze. Internationale Bergbauunternehmen wie Rio Tinto und Ivanhoe arbeiten hier, aber auch chinesische Unternehmen bauen Bodenschätze, vor allem Kohle, ab. Der mongolische Staatspräsident ist hofierter Gast in Japan, China und Russland. Auch Deutschland hat im vergangenen Jahr ein Rohstoffabkommen mit der Mongolei unterzeichnet.

          Es kommt viel Geld ins Land. Am augenfälligsten ist dies in der Hauptstadt, in der mittlerweile die Hälfte der drei Millionen Mongolen lebt. Wer Ulan-Bator einige Jahre nicht besucht hat, staunt. Die alten Bauten aus der sozialistischen Zeit verschwinden. Die riesige Statue von Dschingis Khan im Stadtzentrum schaut auf Hochhäuser mit Glasfassaden. Neubaugebiete mit Apartmentblocks, Hotels und Bürotürme wachsen. Auch die Luxusgeschäfte haben Einzug gehalten, die LV-Handtasche ist auch in Ulan-Bator zum Zeichen des Erfolges geworden. Das andere ist das Automobil. Da sich immer mehr Mongolen ein Auto leisten können, ist der Verkehr explodiert. Im Schritttempo schieben sich die Autos über die holprigen Straßen.

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