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Wahlen in Angola : Angst hinter der Pastellfassade

  • -Aktualisiert am

Vertreter der Unita sind in Angola in Gefahr Bild: AFP

Nach der Wahl 1992 war die angolische Stadt Huambo Schauplatz der „Schlacht der 57 Tage“. An diesem Freitag wählt Angola wieder. Huambo ist zu einem Symbol der Opposition geworden. Dort geht die Regierung unsanft mit ihrem Gegner um.

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          Zacharias Batalia deutet über den marmorgefliesten Springbrunnen und die gewässerten Palmen hinweg auf ein gelb gestrichenes, liebevoll restauriertes Haus. „Siehst du das Dach?“, will er wissen und klopft dabei mit dem Löffel an den Rand seiner Espressotasse. „Das war ein Scharfschützennest. Der ganze Platz war voll mit Leichen. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen die von dort aus erschossen haben.“

          Er nimmt einen Schluck Kaffee. „Und siehst du die Bäume da hinten? Von dort aus hat ein Panzer solange auf das Haus geschossen, bis es mitsamt den verdammten Scharfschützen eingestürzt ist.“ Ein heiseres Lachen. Dann holt Zacharias tief Luft, und mit einem Mal ist der Sarkasmus, mit dem er sich vor der Erinnerung zu schützen versuchte, aus seiner Stimme verschwunden.

          Die Schlacht der 57 Tage

          „Um die Leichen haben sich die Hunde gekümmert“, erzählt er leise, „dicke, fette Köter, die gar nicht so schnell fressen konnten, wie sie Nahrung bekamen.“ Zacharias blickt sich nach dem Kellner um. Er will jetzt einen Cognac. Dann wandern seine Augen über die gut gefüllte Terrasse des Cafés, über die gepflegte Parkanlage ihr gegenüber, über die Wasserfontänen und die turtelnden Teenager auf den Parkbänken. Schließlich fällt sein Blick auf sein linkes Bein, das nach einem Steckschuss steif geblieben ist. „Ich hoffe, ich muss das nicht noch einmal erleben“, sagt er.

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          Zacharias ist ein Veteran der „Schlacht der 57 Tage“, wie das Gemetzel in Huambo genannt wird. 57 Tage und Nächte dauerten die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen der Unita um die Kontrolle über die Stadt und brachten der damals zweitgrößten Stadt des Landes den Beinamen „das angolanische Stalingrad“ ein. Als die Kämpfe nach knapp drei Monaten schließlich abflauten, waren zwischen 12.000 und 20.000 Menschen tot und Huambo weitgehend in Schutt und Asche gelegt. Das war 1992, und den Kämpfen vorangegangen waren die ersten Wahlen in Angola seit seiner Unabhängigkeit von Portugal 1975, bei denen Rebellenführer Jonas Savimbi unterlegen war und diese Niederlage mit einer Wiederaufnahme des Bürgerkrieges beantwortet hatte.

          Die Opposition rechnet sich gute Chancen aus

          Sechzehn Jahre nach den fatalen Wahlen von 1992 sind an diesem Freitag wieder Partlamentswahlen, acht Millionen Angolaner sind wahlberechtigt. Wie die Wahl von 1992 wird auch diese im Wesentlichen zwischen der Regierungspartei MPLA und der Unita entschieden werden, die nach dem Tod Savimbis 2002 dem bewaffneten Kampf abgeschworen hat.

          Von den 220 Sitzen im Parlament hat die Unita als Folge der Wahl von 1992 nur 70 Sitze. Trotzdem glaubt die Unita, der MPLA dieses Mal die Mehrheit streitig machen zu können. Ausgerechnet in Huambo, dem Fanal des angolanischen Bürgerkrieges, rechnet sich die Opposition gute Chancen aus. Die Stadt, in der Zacharias als Regierungssoldat im Frühjahr 1993 nur knapp dem Tod entkam, ist nicht mehr wiederzuerkennen. Nur ganz vereinzelt erinnern noch von Kugeln zerlöcherte Hausfronten an die erbarmungslosen Kämpfe.

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