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Wahlen in Algerien : Musterfall Bouteflika?

Bouteflika-Anhänger: Fairer Wahlkampf? Bild: REUTERS

Zum ersten Mal ein wirklicher Wettstreit zwischen Kandidaten und Parteien: In Algerien könnte ein Präsident abgewählt werden. „Eine Wahl wie die am 8. April gab es noch nie zuvor", beschwört der algerische Präsident Bouteflika.

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          Hunderte weiße, rote und grüne Luftballons steigen über dem kleinen Mann hinter dem gläsernen Rednerpult auf. "Eine Wahl wie die am 8. April gab es noch nie zuvor", beschwört der algerische Präsident Bouteflika seine Zuhörer; mehr als 15 000 Menschen seien in die Harcha-Halle in Algier gekommen, sagen seine Wahlkampfmanager. Als sei das noch nicht genug, haben sie noch einen Box-Champion, den Rai-Star Cheb Mami und jede Menge politische Prominenz zum Wahlkampfabschluß in Algier auf die Bühne geholt - damit die Ankündigung des Präsidenten vielleicht doch nicht ganz Wirklichkeit wird.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Denn Bouteflika könnte zum ersten Staatschef südlich des Mittelmeers werden, der sein Amt durch eine Wahlniederlage verliert. "Der Präsident und seine Leute können sich das immer noch nicht vorstellen, aber unmöglich ist es nicht mehr", sagt die algerische Journalistin Baya Gacemi. Diese Einschätzung teilen auch westliche Diplomaten: Zum ersten Mal gebe es in Algerien eine Wahl mit einem wirklichen Wettstreit zwischen Kandidaten und Parteien, in dem das Ergebnis nicht schon vorher feststehe, sagt einer von ihnen.

          Kein eindeutiger Favorit

          An Kandidaten, deren Wahlplakate auch dieses Mal feinsäuberlich auf den hellblauen Tafeln am Straßenrand aufgeklebt waren, mangelte es schon in den Wahlen der vergangenen Jahre nicht. Doch bisher hatten die algerischen Generäle vor den Wählern abgestimmt. So beschlossen sie 1999, daß es Zeit für einen Zivilisten an der Spitze des Staates war: Er hieß Abdelaziz Bouteflika. Dieses Mal schwieg die Armeeführung. Die Generäle seien sich wohl ebenso uneinig wie die Bevölkerung, vermutet ein westlicher Diplomat. So gibt es in Algerien dieses Mal zwar jede Menge Wahlwetten, aber keinen eindeutigen Favoriten. "Es wäre eine Revolution für die arabische und muslimische Welt, wenn die Wähler über den nächsten Präsidenten an den Urnen entscheiden", sagt Omar Belhouchet, Chefredakteur der unabhängigen französischsprachigen Tageszeitung "El Watan". In seine Begeisterung mischt sich Skepsis: Zwar hätten sich die Generäle bisher nicht eingemischt. Aber es müsse sich erst zeigen, ob die Wahl bis zum Ende regulär und transparent verlaufe, wie es die Regierung versprochen hat.

          Bild: dpa

          Dieses Mißtrauen bestimmte dann auch am Tag vor der Wahl an den Kiosken die Schlagzeilen der unabhängigen Tageszeitungen. "Steht das Ergebnis schon fest?" heißt es etwa auf der Titelseite von "El Watan". In Algerien haben viele nicht vergessen, daß sich vor fünf Jahren bis auf Bouteflika alle Kandidaten in letzter Minute zurückzogen. Sie begründeten das damals mit dem "massiven Betrug", der nach ihrer Ansicht zugunsten Bouteflikas im Gange gewesen ist. Dieses Mal wandten sich drei seiner Herausforderer in einer Erklärung an die Öffentlichkeit: Der "Clan des Präsidenten" wolle schon vor der Auszählung aller Stimmen dessen Wahlsieg bekanntgeben. Sogar auf den Stimmenanteil von 53 bis 55 Prozent hätten sie sich schon geeinigt, werfen Ali Benflis, Abdallah Djaballah und Said Sadi Bouteflikas Unterstützern vor.

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