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Machtwechsel in Amerika : Obamas Selbstzweifel

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Barack Obama kurz nach seiner letzten Pressekonferenz als amtierender Präsident Amerikas Bild: AFP

Mit sich und seiner Politik im Reinen - so präsentiert sich der scheidende Präsident auf seiner letzten Pressekonferenz. Doch es gibt auch nachdenkliche Zwischentöne. Dass ein Mann wie Trump sein Nachfolger wird, ist Obamas ganz persönliche Niederlage.

          Das war es dann also. Nachdem Barack Obama schon vergangene Woche in Chicago eine sehr emotionale Abschiedsrede gehalten hatte, fiel seine letzte Pressekonferenz als 44. Präsident der Vereinigten Staaten im Weißen Haus vergleichsweise nüchtern aus.

          Obama appellierte an die anwesenden Journalisten, sich nicht unterkriegen zu lassen und weiter gewissenhaft und kritisch ihre Arbeit zu machen. Er kündigte an, sich auch nach seiner Präsidentschaft weiter in politische Debatten einmischen zu wollen, sollten „grundlegende Werte“ der amerikanischen Demokratie in Gefahr sein. Seinem Nachfolger gab er mit auf den Weg, nicht alleine regieren zu wollen, sondern die richtigen Leute um sich zu versammeln – eher eine Binsenweisheit als ein Ratschlag.

          Eine letzte große Abrechnung mit dem politischen Gegner, auf die sich manch ein Medienvertreter im Vorfeld des Auftritts gefreut hatte, blieb aus. Steilvorlagen in Frageform gab es genug, doch Obama entschied sich dafür, überwiegend ruhige Töne anzuschlagen. Wohl wissend, dass die Stimmung in der tief gespaltenen amerikanischen Bevölkerung vor dem Inaugurationswochenende ohnehin sehr angespannt ist. Trotz aller Streitpunkte zwischen ihm und Donald Trump, der friedliche Übergang von der einen zur anderen Präsidentschaft müsse, so hatte es Obama in den vergangenen zehn Wochen immer wieder erklärt, garantiert werden.

          Selbstzweifel und Selbstkritik

          Bemerkenswert ist, dass Obamas letzter öffentlicher Auftritt im Weißen Haus auch sehr nachdenklich ausfiel. Zwar machte er wiederholt deutlich, dass er nach acht Jahren im Amt mit sich und seiner Politik im Reinen sei, doch es gab auch Zwischentöne des Selbstzweifels, ja gar der Selbstkritik. Es gebe da, so sagte Obama kurz vor dem Ende der Pressekonferenz, viele Leute, die in der zurückliegenden Präsidentschaftswahl für den republikanischen Kandidaten gestimmt hätten, „weil sie sich vergessen und ausgeschlossen fühlen“.

          Es ist nur eine kurze Passage in Obamas Ausführungen, doch man spürt förmlich, wie weh ihm diese Erkenntnis tut. Auch wenn er „die Leute“ nicht näher definiert, ist ziemlich klar, dass er damit wohl vor allem die weißen Arbeiterschichten in den alten Industriestaaten im Norden meint, ohne deren Stimmen Trump niemals Präsident geworden wäre. Dass er es nicht geschafft hat, diese Menschen von sich und seinen Positionen zu überzeugen, ist Obamas ganz persönliche Niederlage. Er mag zwar nicht selbst zur Wahl gestanden haben, aber er hatte intensiv für seine demokratische Parteifreundin Hillary Clinton geworben.

          Bei dem Demokraten rumort es

          Bei den Demokraten rumort es seit der Wahlschlappe gewaltig. In den Kongressanhörungen von Trumps zukünftigen Ministern waren es in dieser Woche vor allem die linken Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die das Heft in die Hand nahmen – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Partei in Zukunft ihr Profil als „Kämpfer für die kleinen Leute“ schärfen will. Obama wird mit den innerparteilichen Flügelkämpfen wohl nicht allzu viel zu tun haben, die Schuld für die Niederlage im November dürfte er trotz seiner zuletzt sehr guten Beliebtheitswerte aber durchaus auch ein Stück weit bei sich selber suchen.

          Wie nur konnte es schließlich passieren, dass nach seiner Amtszeit, die doch ganz im Zeichen von Fairness und sozialer Gerechtigkeit stehen sollte, ausgerechnet ein Milliardär wie Trump, der so stolz auf die eigene Ellenbogenmentalität ist, von großen Teilen der eigenen Kernwählerschaft gewählt wird? Ist man als Präsident nicht vollständig gescheitert, wenn sich die Menschen für einen Nachfolger entscheiden, der nicht nur politisch alles anders machen will, sondern auch im Auftreten wie ein vollständiger Gegenentwurf zu einem selbst wirkt? Diese Fragen werden Obama, da sind sich viele Beobachter einig, noch lange nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus beschäftigen.

          Für seine Landsleute hat der scheidende Präsident an diesem Nachmittag in Washington trotzdem hoffnungsvolle Worte im Angebot: „Ich glaube an dieses Land, ich glaube an die Amerikaner“, so Obama. „Am Ende werden wir alle okay sein.“

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