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Parlamentswahl in Singapur : Wo weniger als 60 Prozent eine Schlappe sind

Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong Anfang Juli. Bild: Getty

Singapurs regierende Partei herrscht seit Jahrzehnten unangefochten. Pandemie und Rezession gefährden aber das Erfolgsmodell des Stadtstaats – und nun auch ihre Macht?

          4 Min.

          In Singapurs ehemaligem zentralen Postamt ist heute das luxuriöse Fullerton Hotel untergebracht. Vor dem neoklassizistischen Bau hält die regierende People’s Action Party (PAP) vor fast jeder Parlamentswahl eine große Kundgebung ab. Begonnen hat dies schon mit Singapurs Gründervater Lee Kuan Yew. Doch während der Coronavirus-Pandemie ist auch in dem glitzernden Stadtstaat alles anders. Statt vor dem Fullerton trat Ministerpräsident Lee Hsien Loong zu Wochenbeginn vor einer Videokamera auf das Podest. Zuvor lief aber noch eine Einspielung mit Reden des Gründervaters. Er steht für eine Tradition, in die sich auch sein ältester Sohn gern einreiht. Die Partei hat seit der Unabhängigkeit im Jahr 1965 die Regierung gestellt, genaugenommen sogar schon vorher, seit 1959. Seitdem ist Singapur zur wirtschaftlichen Drehscheibe geworden, einer globalen Finanzmetropole: „Von Dritter Welt zu Erster“, wie Lee Kuan Yew seine Memoiren nannte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch die doppelte Bedrohung aus Coronavirus und Rezession gefährdet auch das Erfolgsmodell Singapurs. „Kaum jemals zuvor in der Geschichte stand so viel auf dem Spiel wie jetzt“, sagte Lee Hsien Loong gleich zu Beginn seiner Rede. „Wir befinden uns in der Mitte einer Krise, aber so schwer die Vergangenheit auch war, die größten Herausforderungen liegen noch vor uns.“ Um vier bis sieben Prozent könnte Singapurs Wirtschaftsleistung zurückgehen, schätzen die Fachleute. Zehntausenden Singapurern droht der Verlust ihrer Arbeitsplätze. Hinzu kommt die Unsicherheit durch den Handelskrieg und die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China. Lee erinnerte an eine Rezession Mitte der achtziger Jahre, als er seine Karriere in der Politik des Stadtstaats begonnen hatte. Er, der es zuvor im Militär zum Brigadegeneral gebracht hatte, war damals mit der Bekämpfung der Krise betraut worden.

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