https://www.faz.net/-gpf-6zv2x

Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

Nur dass Sie es wissen - wir werden siegen. Und dann, nach einem oder zwei Jahren, kann man mich fragen, was ich getan habe.

Würden Sie als Präsident weiterhin die Ermordung von Journalisten gutheißen, die Ihre Sichtweise nicht teilen, wie im Fall Slavko Čuruvija?

Ich habe niemals die Ermordung von Journalisten gutgeheißen, die meine Sichtweise nicht teilen. Ich habe nur gesagt, dass ich nicht Mitglied von Čuruvijas Familie und nicht sein Freund bin, und dass ich deshalb nicht um ihn trauern kann, so wie andere das zu tun vorgeben. Ich habe nie gesagt, dass man ihn töten soll. Nie! Inzwischen gibt es neue Machthaber, in deren Regierungszeit zwei Journalisten getötet wurden, aber die Täter wurden nie gefasst.

Wie sind Ihre Zukunftsvorstellungen für Serbien? Wäre es für Serbien nicht besser, ein Teil der Russischen Förderation zu werden, statt eine Kolonie der EU, wie Sie vor 2008 sagten?

Das ist keine gute Idee, denn wir haben in diesen elf Jahren seit dem Sturz Miloševićs für die Mitgliedschaft in der EU sehr viel getan. Aus der EU kommen 97 Prozent unserer Investitionen. Wir haben unsere Gesetzgebung der EU angepasst. Es wäre jetzt sehr schwer für uns, wenn uns die EU zurückweisen und uns mitteilen sollte, dass wir kein Mitglied werden können. Wir müssten unser ganzes System ändern. Es wäre dann alles vergebens gewesen. Wir haben viel Schlechtes durchgemacht, als wir die Bedingungen für eine Mitgliedschaft erfüllt haben.

Zum Beispiel?

Wir haben auf Vieles verzichtet, haben uns sagen lassen, wie wir die Mittel aus unserem Haushalt ausgeben sollen und haben die Einfuhr von Waren ohne Zoll erlaubt.

Will Serbien wirklich der EU angehören? Man denke nur an die Zustände in Griechenland.

Griechenland ist selbst schuld. Griechenland hat seine Haushaltsdaten gefälscht. Griechenland hat mehr ausgegeben als erlaubt. Aber auch einem solchen Griechenland hilft Deutschland.

Aber die deutsch-griechischen Beziehungen sind in einem schrecklichen Zustand.

Weil der deutsche Arbeiter nicht für andere arbeiten will. Er kann nicht Milliarden Euro jemandem geben, der nicht arbeiten wollte oder nichts verdienen konnte, oder der mehr ausgab, als er konnte. Ich verstehe den deutschen Arbeiter. Die EU ist derzeit in einer Krise. Erst gab es die Krise der Erweiterung. Die EU ist in eine politische Erweiterung geschlittert mit Staaten, die nicht bereit waren für eine Mitgliedschaft.

Liegt eine Mitgliedschaft in der EU im Interesse Serbiens?

Sie liegt im Interesse Serbiens. Serbien ist klein. Serbien kann nicht allein bleiben. Wir möchten in der EU sein. Wir werden alle Bedingungen erfüllen. Ich möchte, dass wir den Staat einrichten wie Deutschland.

Wäre eine privilegierte Partnerschaft nicht besser für Serbien?

Es wäre nicht in Ordnung, Kroatien und Slowenien zu den modernen, progressiven und demokratischen Ländern zu zählen, und uns wie ein balkanisches Land zu behandeln. Wir werden doch nicht Mitglied werden und sofort 100 Milliarden Euro fordern. Wir brauchen die EU als organisiertes Staatensystem, dessen Organisation wir auch in Serbien übernehmen wollen.

Aber dazu muss Serbien doch kein Mitglied werden.

Weitere Themen

Bis zur letzten Kommastelle

FAZ Plus Artikel: Grüne auf dem Vormarsch : Bis zur letzten Kommastelle

Die Grünen waren mal eine Partei, die mit Macht nicht viel anfangen konnte. Das ist lange vorbei, ihr Weg könnte ins Kanzleramt führen. Das liegt auch daran, dass die Grünen Meister der Kommunikation sind.

Polizeikommissar verliert bei OB-Wahl in Görlitz Video-Seite öffnen

CDU-Kandidat sticht AfD aus : Polizeikommissar verliert bei OB-Wahl in Görlitz

In Görlitz, einer sächsischen Stadt an der Neiße und damit an der Grenze zu Polen gelegen, hat in einer Stichwahl der CDU-Bewerber Ursu mit gut 55 Prozent der Stimmen gewonnen. Für die AfD trat in der Stichwahl der gebürtige Görlitzer und Polizeikommissar Sebastian Wippel an.

Topmeldungen

Koalition : Besser als ihr Ruf

Die Koalition ist nicht so schlecht, wie sie gemacht wird. Die Einigung über die Grundsteuer ist ein großer, die über den „Soli“ ein längst überfälliger Schritt. Die großen Brocken kommen aber erst noch. Ein Kommentar

Neue Prognosen : Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

Interne Zahlen aus dem Verkehrsministerium zeigen: Aus den erhofften 500 Millionen Euro wird wohl nichts – schuld sind Veränderungen in der Fahrzeugflotte. Die Grünen geißeln das Lieblingsvorhaben von Verkehrsminister Scheuer als „teures und sinnloses Stammtischprojekt“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.