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Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

Ich pflege inzwischen eine persönliche Freundschaft zum mazedonischen Regierungschef, und als der Präsident Mazedoniens vor einigen Monaten in Belgrad war, wollte er sich ausdrücklich auch mit mir treffen. Obwohl das Protokoll des serbischen Präsidenten das zu verhindern suchte, haben wir uns getroffen und eine Stunde miteinander gesprochen. Zum mazedonischen Präsidenten habe ich ausgezeichnete Beziehungen. Mazedonien weiß, wann und warum ich das gesagt habe. Mazedonien weiß, dass das heute überhaupt keine Frage unserer Konflikte und Diskussionen ist. Ich wiederhole, was heute meine Ideologie ist, nämlich das jeder von den Vereinten Nationen anerkannte Staat seine Grenzen hat, die Serbien achten muss.

Über das Kosovo sagten Sie auf einer Wahlkampfveranstaltung in der ostserbischen Provinzstadt Pirot im Jahr 1995: „Die Siptari, die den serbischen Staat nicht anerkennen, müssen sofort aus dem Kosovo vertrieben werden. Wie sollen sie vertrieben werden? Griechenland hat angekündigt, dass es 300.000 Siptari aus Griechenland vertreiben wird, und niemand hat sich deswegen empört. Aber wir werden sie nicht vertreiben, sie werden selbst fortgehen. Wenn wir bei den Wahlen gewinnen, werden sie einen Grund haben, fortzugehen“. Solche Rhetorik ist der Grund dafür, dass Serbien das Kosovo verloren hat.

Das Kosovo ging nicht wegen meiner Aussagen verloren, sondern wegen des Verhaltens derer, die an der Macht waren.

Die Serbische Radikale Partei war aber noch radikaler als Milošević.

So ist es.

Milošević war sozusagen die sanfte Version Ihrer Politik.

Das ist Vergangenheit. Inzwischen sind damals geborene Kinder volljährig, viel Zeit ist vergangen. Aber Milošević war damals dem Westen genehm, er hat das Kosovo verloren.

Auch Sie haben mit Ihrer Rhetorik dazu beigetragen.

Serbien hat verloren. Unsere Rhetorik hatte keinen Einfluss auf die Politik.

Keinen Einfluss?

Nein. Wir waren damals in der Opposition.

Sie haben damals Milošević beschuldigt, nicht entschlossen genug aufzutreten, weil sie mehr Krieg wollten.

Also haben wir keinen Einfluss darauf gehabt. Alles, was der Staat getan hat, tat Milošević.

Sie haben Milošević seinerzeit beschuldigt, seine Politik sei nicht aggressiv genug.

Es gibt doch auch in Deutschland radikale Parteien. Haben die einen Einfluss auf die Politik? Nein.

Sie hatten 35 bis 40 Prozent der Stimmen.

Aber trotzdem nichts zu sagen.

Sie wollen sagen, dass Sie keinerlei Einfluss hatten im Serbien der neunziger Jahre?

Keinerlei. Bis wir 1998 eine Regierungspartei wurden. Aber selbst da wurden wir nie gefragt zu irgendetwas. Und was hat Angela Merkel über die multiethnische Gesellschaft gesagt? Niemand hat gefragt, warum sie das gesagt hat.

Frau Merkel hat nicht gesagt, dass man Türken, die den deutschen Staat nicht anerkennen, aus Berlin vertreiben müsse.

Lassen Sie es uns so sagen: Es gibt keine Rechtfertigung für das, was ich 1995 gesagt habe. Aber heute arbeite ich anders. Ich kann zu dem Rede und Antwort stehen, was ich seit 2008 bis heute gesagt habe, als Vorsitzender der Serbischen Fortschrittspartei.

Aber Sie sind seit fast 25 Jahren in der Politik.

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