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Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

Ein Zitat von Ihnen aus einem Interview im „Kurir“ im Jahr 2003: „Ich habe die Idee, die Vojislav Šešelj vertreten hat, nicht aufgegeben und habe mich niemals geschämt deswegen. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass das ganze serbische Volk in einem Staat lebt und werde dieses Projekt nie aufgeben. Wenn ich Präsident werde, werde ich den Anschluss der Republika Srpska ans Mutterland Serbien anstreben. Ich werde den Verlust der serbischen Länder, die die Kroaten mit Hilfe der Vereinten Nationen besetzt haben, nie verschmerzen.“

Damals war ich Stellvertreter des Vorsitzenden der Serbischen Radikalen Partei - und gestatten Sie mir, dass ich den Verlust diese serbischen Territorien nie verschmerzen werde. Aber das ist meine persönliche Empfindung.

Sind die „serbischen Territorien“ immer noch „unter Besatzung“?

Wissen Sie eigentlich, wie die Aktion „Blitz“ ausgeführt worden ist? Die kroatische Armee ist zwischen den Checkpoints durchmarschiert, an denen die UN-Vertreter saßen, und dann hat man die Serben vertrieben und ermordet.

Im November 2003 sagten Sie der Zeitung „Vesti“: „Was Kroatien betrifft, so werden wir mit ihnen in diesen Grenzen keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.“ Würden Sie sich als Präsident dafür einsetzen, die diplomatischen Beziehungen Serbiens zu Kroatien wieder abzubrechen?

Sollte ich etwa zu der Ideologie zurückkehren, vor der ich fortgelaufen bin? Ich habe mich davon entfernt und andere Werte angenommen. Ich bin einer der Schöpfer der neuen serbischen Verfassung, in der europäische Werte festgehalten sind. Die Regierung versucht zwar, mir zu unterstellen, meine Hinwendung zur EU sei nicht aufrichtig, aber das ist sinnlos.

Es gibt da diesen Videoclip, in dem zu sehen ist, was Sie früher sagten und was heute.

Das hat keinen Einfluss auf die Wähler.

Es ist aber doch seltsam, wenn jemand heute eines sagt und morgen das Gegenteil davon.

Ein französischer Philosoph sagt, nur ein Dummkopf ändere seine Meinung nicht. Ich habe einen Prozess durchgemacht und abgeschlossen. Niemand kann mich mehr dorthin zurückbringen.

Aber Sie haben sich nie entschuldigt und gesagt: Es war ein Fehler.

Nein. Es ist jetzt schwer zu sagen, ob das, was man 1991, zu Kriegszeiten, gesagt hat, ein Fehler war.

Aber auch mehr als zehn Jahre nach 1991 haben Sie noch solche Dinge gesagt.

Es gibt ja auch jetzt politische Parteien, die zu dieser Zeit zurückkehren und auf diese Weise Stimmen gewinnen.

Wir zitieren Ihre früheren Aussagen ja auch nur, um zu wissen, wie Sie heute darüber denken.

Zitieren Sie ruhig. Aber Sie haben sich genau das herausgesucht, wofür ich heute nicht stehe. Die Demokratische Partei von Boris Tadić macht das heute genauso.

Warum sagen Sie nicht klar, dass Sie heute anders denken?

Das sage ich doch, wenn Sie mich verstanden haben.

Über Mazedonien sagten Sie im Februar 1996 in einem Interview: „Sollte es zu einem Zerfall Mazedoniens kommen, sind wir der Ansicht, dass dies durch eine Aufteilung dieses Territoriums in vier Teile geschehen sollte. Ein Teil fiele an Griechenland und die anderen drei an Serbien, an die Siptari und an Bulgarien. Auf diese Art gäbe es keinerlei Probleme mit der Grenze zu Mazedonien, und mit dem brüderlichen Griechenland wären wir direkte Nachbarn.“ Auch in Skopje wird man Sie nicht gerne sehen.

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