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Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

„...alle serbischen Häuser zerstört hat.“ Ich weiß, was ich getan habe. Aber ich war damals nicht Präsident. Ich war nicht einmal Abgeordneter. Ich habe als Bürger gesprochen. Die Partei war gerade erst gegründet worden. So wird man aber dem Kern des Problems im Gebiet Dubrovnik nicht gerecht. Über Nacht wurden alle serbischen Häuser zerstört, alle! Wir Serben haben sehr gern in der Umgebung Dubrovniks gelebt, dort hatten wir unsere Häuser. Und dann kamen neue Machthaber nach Dubrovnik und zerstörten über Nacht alle serbischen Häuser. Wie hätten wir da reagieren sollen? Wenn serbische Häuser brennen, was hätten wir da sagen sollen? Schon gut, sollen sie mal serbische Häuser zerstören?

In einer von Ihnen unterzeichnete Verlautbarung der Serbischen Radikalen Partei aus dem Jahr 1991 heißt es: „Siptari, die sich nicht als Bürger Serbiens registriert haben, müssen nach Albanien, und die Kroaten sollen sich eben mit Italien und Ungarn einig werden, wie sie ihr Territorium westlich der Linie Karlobag - Ogulin - Karlovac - Virovitica aufteilen.

Nach fast drei Monaten Belagerung durch die jugoslawische Volksarmee und serbische Freischärler fiel die kroatische Stadt Vukovar am 18. November 1991. Hunger und Bombardierungen hatten rund 1400 Menschen das Leben gekostet; nach der Einnahme der Stadt wurden mehrere Hundert nicht-serbische Bewohner deportiert und massakriert. Auch nach der Stationierung von UNO-Truppen gingen Plünderungen und Vertreibungen weiter. Bilderstrecke

Das war damals die Politik der Serbischen Radikalen Partei, die wir alle unterstützt haben.

Es war also auch Ihre Politik?

So ist es. Ich gehörte dieser Partei an. Ich musste diese Politik befolgen.

Und was denken Sie heute darüber?

Was wäre denn gewesen, wenn Serbien diesen Krieg nicht verloren hätte? Wenn Serbien nicht bombardiert worden wäre und das serbische Volk hätte wählen können, wo es leben will? Wo würde es dann leben? In welchem Staat?

In Großserbien?

Wie auch immer man es nennen will. Niemand hat dem serbischen Volk die Möglichkeit gegeben, sich zu entscheiden, wo es leben will. Als das serbische Volk gesagt hat, dass es hier leben und seinen Staat so nennen möchte, wie es das will, da wurde es vertrieben, damit es niemals zurückkehre. Wer einen Teil seiner Einwohner vertreibt, lädt Schuld auf sich, nicht nur nach dem Völkerrecht.

Ist es korrekt, dass Sie die territoriale Integrität von Staaten inzwischen für eine wichtige Angelegenheit halten?

Die Integrität darf nicht angetastet werden. Das ist vorbei. Die Staaten existieren, sie sind international anerkannt. Das, an was Sie mich erinnern, das war damals. Damals haben wir alle gegeneinander gekämpft, um neue Grenzen zu bekommen. Europa hat sich auf die Seite Kroatiens und gestellt und in Bosnien Alija Izetbegović unterstützt, und so bekamen wir eben die Grenzen, die wir heute haben. Heute sind es Staatsgrenzen.

Wie steht es mit dem Kosovo und einer möglichen Teilung?

Das Kosovo ist ein verfassungsmäßiger Teil Serbiens, und daran muss sich auch der Präsident halten. Verfassungswidriges Verhalten ist strafbar. Wir können reden und müssen verhandeln, aber selbst Herr Tadić, der gesagt hat, der EU-Beitritt Serbiens sei alternativlos, hat sich nicht bereit erklärt, die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen. Wie sollte ich es da können?

Sie haben gesagt, das serbische Volk solle sich in einem Referendum zum Kosovo äußern.

Weil auch die Verfassung in einem Referendum angenommen wurde. Das liegt in den Händen der Bürger. Kosovo gehört nicht mir und nicht Tadić. Es ist das Eigentum aller Bürger Serbiens. Nicht wir Politiker können darüber entscheiden. Das können nur die Bürger Serbiens.

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