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Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

In der serbischen Armee existierten vor dem Zweiten Weltkrieg Spezialeinheiten, so wie jede Armee Sondereinheiten hat. Diese Einheiten wurden Tschetniks genannt. Sie gingen voran, es war die Vorhut, die die schwierigsten Aktionen durchführte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Tschetniks als monarchistische Truppen im Vaterland von den Alliierten unterstützt. Aber dann siegten die Partisanen und die Unterstützung der Alliierten ging auf sie über. Die Tschetniks gerieten in Verruf. Jedes Mal, wenn ein Serbe in den Krieg zieht, bildet sich diese Tschetnik-Bewegung. Als es zu den Konflikten in Jugoslawien kam, war es laut Verfassung möglich, dass sich Freischärlereinheiten unter dem Oberkommando der regulären Streitkräfte bildeten.

Auch Sie waren als Tschetnik im Krieg?

Ich war als Freiwilliger im Krieg und ich schäme mich nicht deswegen. Mir wurde der Titel eines Tschetnik-Führers verliehen. Aber als Slobodan Milošević 1993 die Serbische Radikale Partei angriff und beschuldigte, dass wir bewaffnete Truppen unterhalten und einen Sturz der Regierung vorbereiten, haben wir die Tschetnik-Bewegung aufgelöst. Seither wurde sie nicht wieder aufgestellt. Damals habe ich aber gesagt, dass ich als Tschetnik-Führer immer Tschetnik sein müsse und dass ich, wenn mich wieder jemand ruft, Serbien wieder verteidigen werde.

Als Präsident Serbiens könnten Sie mit einer solchen Vergangenheit die Hälfte der Nachbarstaaten nicht besuchen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel Kroatien.

Ich bin in diesem Jahr zwei Mal durch Kroatien gefahren.

Als Bürger Serbiens. Aber als Staatspräsident?

Das hängt von Kroatien ab. Ich kann nicht darüber entscheiden, ob Kroatien mich empfängt oder nicht. Ich werde den kroatischen Präsidenten in Belgrad empfangen. Das gehört zu meinen präsidialen Pflichten. Mich wählt das Volk nicht, um mit anderen zu streiten, sondern damit ich Kontakte herstelle. Warum sollte Kroatien keinen Kontakt mit mir wollen?

Wegen Ihrer früheren Aussagen.

Bin ich denn ein Schurke? Bin ich ein Verbrecher? Habe ich etwas überhört? Ich bin für Kroatien kein Verbrecher. Und ich bin auch als Bürger kein Verbrecher. Für Kroatien werde ich ein Präsident sein, den das Volk Serbiens gewählt hat. Wenn Kroatien es wünscht, arbeiten wir zusammen. Wenn nicht, ist das Kroatiens Recht. Kroatien wird bald Mitglied der EU sein, aber es wird gegenüber Serbien auf ungerechtfertigte Weise bevorzugt. Die Frage der aus Kroatien vertriebenen Serben und ihrer Immobilien ist nicht gelöst. Kroatien ist es nicht gelungen, genügend Sicherheit herzustellen, damit Serben gefahrlos zurückkehren können. Außerdem können sie nicht über ihre Immobilien verfügen. Es gibt also keinen Grund, dass Kroatien auf mich böse ist.

In Vukovar leben heute mehr Serben als vor zehn Jahren. Das sagt selbst der Bürgermeister Vukovars.

Weil Vukovar eine serbische Stadt war. Dorthin haben Kroaten nicht zurückzukehren.

Kehren wir zu Ihrer Vergangenheit zurück. Am 3. November 1991 forderte die Serbische Radikalen Partei in einer von Ihnen unterzeichneten Erklärung die damaligen Regierung Jugoslawiens auf, „dass ein allgemeiner Angriff auf Dubrovnik befohlen wird, die erste Ustascha-Stadt, die rücksichtslos...“

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