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Wahl in Serbien : „Die Serben durften nicht entscheiden, wo sie leben wollen“

Aus Kosovo und Bosnien sollten alle Muslime und Kroaten vertrieben werden. Von den Kosovo-Albanern sprach Nikolić grundsätzlich nur als den „Šiptari“, was in etwa der Konnotation von „Spaghettifressern“ oder „Kümmeltürken“ entspricht.

Fünf Jahre und eine Parteigründung später

Knapp fünf Jahre später, im Frühjahr 2012: Nikolić, ein freundlicher Herr Anfang 60, sitzt in seinem Belgrader Büro und empfängt zum Gespräch. Von seinen alten Aussagen will er nichts mehr wissen. Unter dem Einfluss von Demoskopen und Imageberatern hat er sich von der SRS und ihrem vor dem Kriegsverbrechertribunal angeklagten Chef abgewandt, um die „Serbische Fortschrittspartei“ zu gründen. Er tritt jetzt als „Pro-Europäer“ auf, der Serbien in die EU führen will. An diesem Sonntag tritt Nikolić im Stichentscheid der serbischen Präsidentenwahl gegen Amtsinhaber Boris Tadić an. Im Interview mit der F.A.Z. nimmt er zu seiner Vergangenheit Stellung und stellt neue abenteuerliche Thesen auf. Wir haben ihn reden lassen. Denn niemand desavouiert Nikolić besser als Nikolić.

Herr Nikolić, Sie haben gesagt und sagen bis heute, Großserbien sei Ihr „Traum und Wunsch“, auch wenn es vielleicht stets nur ein Wunsch und ein Traum bleiben werde. Wie wird ein Präsident mit solchen Wunschträumen wohl in Sarajevo oder Zagreb gesehen?

Solche Aussagen hören Sie von mir schon seit vier Jahren nicht mehr.

Noch 2011 haben Sie in einem Interview genau das gesagt.

Das stimmt. Es gibt nämlich Träume, die sich der Mensch nie erfüllen kann. Aber ich sage schon seit langem, dass Kroatien ein international anerkannter Staat ist, dass die kroatischen Grenzen an der Donau sind und es keine weiteren Grenzveränderungen geben wird. Dasselbe gilt für Bosnien-Hercegovina. Das ist ein Staat, der zwei Entitäten hat, die nur sehr schlecht miteinander auskommen. Es ist aber nicht meine Schuld, dass Bosnien als Staat nicht funktioniert. Ich unternehme nichts, um ihn zu destabilisieren. Genauso, wie ich wünsche, dass Serbien in den von der Staatengemeinschaft anerkannten Grenzen existieren kann, wünsche ich dieses Recht auch anderen Staaten. Meine Träume aus der Zeit, als Jugoslawien zerfiel, als sich entschied, wer wo leben wird, haben sich leider nicht verwirklicht. Und sie werden sich auch offensichtlich nicht mehr verwirklichen.

Das haben Sie noch im vergangenen Jahr etwas anders ausgedrückt.

Vielleicht habe ich gesagt, dass Großserbien ein unerfüllter Traum sei, aber ich sage schon seit vier Jahren nicht mehr, dass dieser Traum irgendwann erfüllt werden könne. Es ist ein Traum, den man träumen kann, aber es ist offensichtlich, dass die internationalen Beziehungen, die Achtung der territorialen Integrität und Souveränität sowie die Beziehungen, die Serbien mit seinem EU-Beitrittsantrag eingegangen ist, keine Veränderungen mehr erlauben.

Es gibt noch weitere frühere Aussagen von Ihnen, die wir gern kommentiert sähen.

Nur zu. So geht man eben mit mir um.

In einem Interview mit der Zeitung „Novosti“ haben Sie im November 1995 gesagt, dass Sie ein Mitglied der serbischen Tschetnik-Bewegung seien. Was bedeutet das?

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