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Präsidentenwahl in Polen : Duda verpasst absolute Mehrheit

Der polnische Präsident Andrzej Duda nach Bekanntgabe der ersten Prognose Bild: Reuters

Der Amtsinhaber Andrzej Duda kann sein Ergebnis zwar verbessern, erhält aber nicht genügend Stimmen für eine direkte Wiederwahl. Nun muss er sich einer Stichwahl stellen.

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          In der ersten Runde der polnischen Präsidentenwahlen am Sonntag hat Amtsinhaber Andrzej Duda  die für eine Wiederwahl nötige absolute Stimmenmehrheit verpasst. Er muss sich nun in zwei Wochen einer Stichwahl gegen den oppositionellen Kandidaten Rafal Trzaskowski stellen. Duda kam auf 41,8 Prozent der Stimmen, Trzaskowski auf 30,4 Prozent. Trotz der Corona-Pandemie ist die Wahlbeteiligung mit 63 Prozent stark gestiegen. Die Wahlkommission will das amtliche Endergebnis spätestens am Mittwochmorgen bekanntgeben, teilte deren Vorsitzender mit.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Duda dankte am Sonntagabend in Lowicz westlich von Warschau seinen Wählern für die Unterstützung. Wichtig sei, dass das Land so geführt werde, wie es die Mehrheit der Bevölkerung wolle, sagte Duda unter Jubelrufen seiner Anhänger. Trzaskowski sagte vor Anhängern in Warschau, das Ergebnis zeige, dass ein hoher Prozentsatz der Polen den Wechsel wolle. „Wir haben immer noch die Chance, zu siegen.“ Die zweite Runde werde eine Wahl sein zwischen denen, die in die Vergangenheit blickten, um Streit zu entfachen, und jenen, die Polen eine bessere Zukunft bringen wollten.

          Kandidaten auf der Anti-Duda-Welle

          Trzaskowski ist Kandidat der liberalen Bürgerplattform (PO), einer Schwesterpartei der CDU/CSU in der EVP. Er liegt mit seinem Ergebnis des ersten Wahlgangs gut drei Prozentpunkte unter dem entsprechenden Ergebnis des PO-Kandidaten von 2015. Dennoch wird mit einem äußerst knappen Ausgang der Stichwahl gerechnet. Denn die weiteren Kandidaten hatten großenteils auf einer Anti-Duda-Welle geritten. Der unabhängige Publizist und politische Neuling Szymon Hołownia belegte, ohne eine Partei hinter sich zu haben, mit gut 13 Prozent aus dem Stand den dritten Platz. Der Nationalist Krzysztof Bosak, der Duda von rechtsaußen attackiert hatte, bekam mehr als sieben Prozent. Knapp unter drei Prozent blieben der Kandidat der Linken, Robert Biedroń, und der Chef der Bauernpartei PSL, Władysław Kosiniak-Kamysz.

          Am Wahlabend: Rafal Trzaskowski, Präsidentschaftskandidat des größten polnischen Oppositionsbündnisses, in Warschau

          Duda und Trzaskowski nutzten ihre Redezeit am Wahlabend, um ihren wichtigsten Konkurrenten, den Nationalisten eingeschlossen, namentlich zu gratulieren und ihnen anerkennende Worte zu sagen, offenbar auch, um auf deren Wähler einen guten Eindruck zu machen. Trzaskowski gab sich auf einer sehr kurzen Wahlparty unter freiem Himmel optimistisch, was den zweiten Wahlgang angeht: „58 Prozent unserer Gesellschaft will einen Wechsel. Ich werde der Kandidat des Wechsels sein!“ Trzaskowski forderte Amtsinhaber Duda zu einer fair organisierten TV-Debatte auf. Der Drittplatzierte Hołownia, der nach verbreiteter Auffassung als Anfänger den effizientesten Wahlkampf geführt hatte, kündigte an, eine „Bürgerbewegung“ zu gründen. „Wir werden Polen von unten verändern, da es so schwer ist, Polen von oben zu verändern.“

          Von dieser Wahl wird abhängen, ob die  nationalkonservative Partei PiS ihre tiefgreifenden, aber zugleich im Land und in der EU umstrittenen Veränderungen wird fortführen können. Umgekehrt könnte die Opposition im Falle eines Sieges einen wichtigen Hebel in die Hand bekommen, um diesen Kurs zu korrigieren. Polens Staatsoberhaupt hat weitere Kompetenzen als etwa der deutsche Bundespräsident.

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