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Parlamentswahl in Peru : Ein Erfolg der bärtigen Weltretter

Ein Unterstützer der Frepap am Mittwoch vor der Wahl in Lima Bild: AP

Die peruanischen Wähler haben die Partei des Fujimori-Clans abgestraft. Die sektenhafte Kleinpartei Frepap profitiert vom inzwischen weit verbreiteten Frust auf die Politik – und wird zweitstärkste Kraft in einem zersplitterten Parlament.

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          Roberto Machuca kommt aus einem Wahllokal in San Juan de Lurigancho, einem der großen Außendistrikte von Lima, dort, wo die peruanische Hauptstadt staubig und ärmlich wird. Draußen vor dem heruntergekommenen Schulareal warten Verkäufer auf die Menschen, die hier ihrer Wahlpflicht nachgekommen sind, um über die neue Zusammensetzung des im September aufgelösten Parlaments zu entscheiden.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Viele Wähler sind die Politik der vergangenen Jahre leid, wollen eine Veränderung. Auch Machuca, der mit seinen siebzig Jahren schon unzählige Politiker kommen und gehen sah. „Ich will seriöse und ehrliche Abgeordnete“, sagt er. Peru sei zu lange von den Machtkämpfen und vom Opportunismus der Politiker gebremst worden. Die Wahl sei eine Chance auf Veränderung.

          Vor allem eine Protestwahl

          So oder so ähnlich äußern sich viele Wähler. Doch was die Parteien betrifft, haben alle eine andere Präferenz. Mehr als zwanzig standen am Sonntag zur Wahl. Doch diese Vielfalt an politischen Kräften trug offenbar nicht dazu bei, das Vertrauen der mehr als 24 Millionen Wahlberechtigten in die Politik zu stärken. „Ich bin zu oft enttäuscht worden“, argumentiert der 39 Jahre alte Manuel Trujillo. Deshalb habe er beschlossen, dieses Mal niemandem seine Stimme zu geben. Überdurchschnittlich viele Peruaner taten es im gleich und legten einen leeren oder ungültigen Stimmzettel in die Urne.

          Dass die Wahl vor allem eine Protestwahl war, zeigte sich auch am Erfolg der „Landwirtschaftlichen Volksfront Perus“, kurz Frepap. Fast neun Prozent der Stimmen fielen laut den bisherigen Auszählungen und Hochrechnungen auf die Kleinpartei, die zuletzt vor zwanzig Jahren mit einer winzigen Fraktion für kurze Zeit im Parlament vertreten war. In den Umfragen war die Partei vor dem Wahltag nur am Rande aufgetaucht. Keiner hatte sie auf der Rechnung. Doch am Sonntag entpuppte sie sich als Magnet für all jene Wähler, die den „normalen“ Parteien eins auswischen wollten.

          Denn die Frepap ist alles andere als eine normale Partei. Sie wurde 1989 von Ezequiel Ataucusi Gamonal gegründet und gilt als politischer Arm der „Evangelischen Vereinigung der Israelitischen Mission des Neuen Universalen Bundes“, einer evangelikalen Bewegung, die den im Jahr 2000 verstorbenen Ataucusi Gamonal als ihren Propheten ansieht. Die religiöse Bewegung verbindet katholische, evangelikale sowie indigene Elemente.

          Vizcarra dürfte es schwer haben

          Die Frepap wird in den kommenden knapp anderthalb Jahren als zweitstärkste Kraft im Parlament vertreten sein, knapp hinter der traditionellen „Volksaktion“, die als einzige Partei mehr als zehn Prozent der Stimmen holte und nach mageren Jahren wieder eine starke Position im Parlament einnimmt. Dahinter tummelt sich ein ganzes Feld von Parteien, die knapp die Fünf-Prozent-Hürde überwunden haben.

          Wo die sektenhafte Partei politisch steht, ist bisher weitgehend ein Rätsel. Frepap hat weder Parteistrukturen, noch eine gewachsene Wählerbasis, und dürfte von ihrem Erfolg vollkommen überrumpelt worden sein. Dem Kandidaten und angehenden Abgeordneten Wilmer Cayllahua Barrientos, der wie die viele in der Partei lange Haare und einen Vollbart trägt und meist in einem einem langen Gewand auftritt, standen am Sonntagabend die Schweißperlen im Gesicht, als er sich in einem Fernsehinterview bei den Wählern für die „Verantwortung“ bedankte, die ihm und seiner Partei übertragen worden sei.

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