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Nach Hofers Niederlage : Als die FPÖ Wahlbetrug witterte

  • -Aktualisiert am

Doppelstrategie? Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache Bild: AFP

Schon vor Wochen gab es die ersten Gerüchte, FPÖ-Chef Strache hat sie nach der Wahlniederlage seines Parteifreundes Hofer weitergenährt. Die Dynamik der Verschwörungstheorie vom angeblich gestohlenen Sieg hat sich verselbständigt.

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          Alexander Van der Bellen ist gewählt, sein FPÖ-Konkurrent Norbert Hofer hat seine Niederlage eingestanden. Nun würde sich der von den Grünen nominierte künftige Bundespräsident Österreichs wohl gerne um Österreich „in all seiner Unterschiedlichkeit“ kümmern, und die viel beschriebenen Gräben zwischen den Lagern zuschütten.

          Doch die Zeichen stehen bei manchen FPÖ-Anhängern auf Konfrontation – immer noch, oder vielleicht jetzt erst recht. Denn der Wahlbetrug gilt vielen Nutzern der sozialen Netzwerke als sicher. Auf der Facebook-Seite von FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache wurde von seinen Anhängern zu „nicht friedlichen Demonstrationen“ vor der Wiener Hofburg aufgerufen und die Wohnadresse Van der Bellens gepostet, wie der „Standard“ dokumentiert. Auch wenn die FPÖ-Spitzen jetzt an den demokratischen Geist ihrer Anhänger appellieren, müssen sie sich fragen lassen, in welchem Ausmaß sie die Stimmung mit aufgeheizt haben.

          Argwohn herrschte in den Reihen der FPÖ schon, ehe die Wahllokale am Sonntag überhaupt geöffnet hatten. Einen Tag vor der Stichwahl zwischen ihrem Spitzenkandidaten Norbert Hofer und seinem Kontrahenten Alexander Van der Bellen warnte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl am Samstag vor Unregelmäßigkeiten: „Hier heißt es jedenfalls wachsam sein“.

          Der Anlass: Die Anzahl der für die Briefwähler ausgestellten Wahlkarten zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang war stark gestiegen. Da es bei der Briefwahl „immer wieder Ungereimtheiten“ gebe, werde die FPÖ „genau beobachten“, ob dieser Anstieg „tatsächlich ausschließlich dem gestiegenen Interesse an der Wahl geschuldet“ sei.

          Nun ist der Anteil der Briefwähler tatsächlich überproportional gestiegen (im ersten Wahlgang waren es 543.129 von 4.371.825 Wählern, im zweiten Wahlgang 766.076 von 4.643.154). Das ist allerdings noch kein Indiz für Unregelmäßigkeiten. Laut Christoph Hofinger, Leiter des SORA-Instituts, das auch für die Wahlanalysen zuständig war, gibt es mehrere Erklärungen für den höheren Briefwähleranteil.

          Zum einen hätten nach dem polarisierenden Ergebnis des ersten Wahlgangs viele Wähler ihre Entscheidung unmittelbar gefällt, und die Wahl dann sofort hinter sich bringen wollen. Zum anderen seien an schönen Mai-Wochenenden mehr Österreicher unterwegs und würden die Briefwahl bevorzugen. Ganz abgesehen, woher der Anstieg kommt, er sagt nichts über mögliche Wahlfälschungen aus.

          Unzufrieden mit dem ORF

          Doch die Zweifel unter den FPÖ-Anhängern waren gesät. Während sich Norbert Hofer seinen präsidentiellen Ambitionen entsprechend mit jeglichen Spekulationen zurückhielt, sorgte sein Parteichef Strache für Unruhe vor allem in den sozialen Netzwerken.

          Auf der Seite von „Pro FPÖ“ beschwert man sich über die Darstellung des ORF.
          Auf der Seite von „Pro FPÖ“ beschwert man sich über die Darstellung des ORF. : Bild: Pro FPÖ/Facebook

          Am Wahlabend kursierte auf Facebook die Gegenüberstellung zweier Screenshots mit der Frage „Warum verwendet der ORF nicht die Zahlen vom Innenministerium?“: Die Seite des ORF präsentierte eine „Hochrechnung inklusive Briefwahlprognose“ von 18.43 Uhr, die einen exakten Gleichstand zwischen den Kandidaten prognostizierte. Auf der Seite des Innenministeriums hingegen war eine „Hochrechnung“ von 18.38 Uhr zu sehen, nach der Hofer mit 51,9% führte. Strache teilte das Bild mit dem Kommentar „Spannende Frage! Warum?“.

          Was dabei unerwähnt blieb, war der offensichtliche Verweis des ORF auf die Berücksichtigung der Briefwahl. Welche Darstellung man in einer solchen Situation eher verwenden sollte, darüber lässt sich streiten. Jedenfalls war auch die Berechnungsmethode des ORF korrekt – und letztlich auch näher am eigentlichen Wahlergebnis.

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