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Nach Hofers Niederlage : Als die FPÖ Wahlbetrug witterte

  • -Aktualisiert am

Für weitere Aufregung in den sozialen Netzwerken sorgte am Sonntag ein Weblink, der auf eine Seite des Innenministeriums führte. Dort war kurzzeitig das vermeintliche Endergebnis der Bundespräsidentschaftswahl inklusive Briefwahlstimmen zu sehen. Doch die Briefwahlstimmen waren noch gar nicht ausgezählt. Drehte hier jemand ein krummes Ding? Das Innenministerium lieferte noch am Sonntagabend Aufklärung. Bei den veröffentlichten Zahlen handele es sich um Dummydaten, die für das Testen der Onlinevisualisierung herangezogen wurden. Diese nicht gelöschten Daten seien versehentlich veröffentlicht worden. „Das Innenministerium bedauert diesen Fehler, der umgehend behoben wird“, heißt es.

Auch als am Montagabend Van der Bellen als Wahlsieger feststand, machte Strache weiter Stimmung im Netz. Am Dienstagmorgen tauchte ein weiterer Link zum Innenministerium auf, auf der für den Stimmkreis Waidhofen an der Ybbs eine Wahlbeteiligung von 146,9 Prozent vermeldet wurde. Die Zahl der abgegebenen Stimmen war größer als die Zahl der Stimmberechtigten.

Der Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium bemühte sich im österreichischen Fernsehen sogleich um Aufklärung und betonte, dass es sich um einen bloßen Eingabefehler ohne Auswirkungen auf das Ergebnis handle. Das Resultat werde korrigiert, es bedeute keine wesentliche Änderung des Gesamtergebnisses. Bei einer Sitzung der Wahlbehörde nächste Woche werde der Eingabefehler dann ordnungsgemäß berichtigt, so Stein.

Hinweise auf weitere Fehler gäbe es derzeit nicht. Ob das richtig ist, ist zwar derzeit nicht einfach zu beantworten: Im Verhältnis zum Gesamtergebnis fällt der Einfluss eher gering aus.

Hofer beschwichtigt, Strache attackiert weiter

Am Dienstagmittag äußerte der knapp geschlagene Norbert Hofer schließlich, er sehe keinen Grund für eine Anfechtung der Bundespräsidentenwahl. Vor Beginn eines Treffens des FPÖ-Parteivorstands am Dienstag in Wien sagte er, es gebe keine Anzeichen für einen Wahlbetrug. Die Österreicher sollten das Ergebnis jetzt akzeptieren und nicht streiten. Es habe teils heftige Bürgerreaktionen gegeben, „aber alle sollen zusammenhalten“.

Strache postete auch nach dieser versöhnlichen Aufforderung noch eine gute Stunde weiter. Eine Doppelstrategie, in der sich der eine versöhnlich gibt, der andere angriffslustig – oder hatte der eine nicht Notiz vom anderen genommen? Auf Facebook machte Strache auf eine weitere unmögliche Prozentzahl in einem Wahlkreis aufmerksam (die sich später lediglich als verwirrend, aber nicht falsch herausstellte).

Wien : Wahlverlierer Hofer bittet seine Wähler Ergebnis zu akzeptieren

Dann spekulierte er wenig später über die genaue Anzahl der Wahlkarten. Die Strache-Anhänger auf Twitter und Facebook tobten, ein User schrieb unter Straches Post: „Sollte Hofer nicht eindeutig gewinnen, ist das eindeutig Wahlbetrug“. Andere Nutzer fragten plötzlich, warum in Wahllokalen eigentlich Bleistifte und nicht Kugelschreiber benutzt wurden. Dass diese anders als Kugelschreiber immer funktionieren, wurde nicht erwogen.

Gegen ein Uhr vollzog Strache dann die Kehrtwende, nach eigener Angabe, weil es ihm auf seiner eigenen Facebook-Seite zu bunt wurde. Die letzten Postings mitsamt der User-Kommentare wurden gelöscht. Sein Appell an die Follower: „Leider haben in den letzten Tagen auf meiner Facebook-Seite viele User – Unterstützer beider Kandidaten – völlig unangemessen reagiert und Kommentare hinterlassen, die mit dem Respekt gegenüber der Demokratie und auch gegenüber den Kandidaten und ihren Wählern völlig unvereinbar sind.“ Nicht alle Internetnutzer schließen sich dieser Einsicht an: Eine Petition mit dem Titel „Ich erkenne Van der Bellen als meinen Präsidenten nicht an“ hat bereits über 20.000 Unterstützer.

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