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Nordirland : Die Saat des Brexit geht auf

  • -Aktualisiert am

Gewinnerlächeln: Abgeordnete von Sinn Fein vor dem Parlamentsgebäude in Belfast Bild: Reuters

Sinn Fein hat die Wahl gewonnen. Die größte Partei der Protestanten verweigert sich aber bisher dem demokratischen Prozess. Das könnte sich bitter rächen.

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          Die katholisch-nationalistische Partei Sinn Fein ist bei der Wahl in Nordirland zwar stärkste Kraft geworden. Der Sieg ist jedoch nicht so überzeugend ausgefallen, dass die protestantische Seite unmittelbar um die Einheit des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland bangen müsste.

          Und trotzdem verweigert sich die größte protestantische Partei zunächst einmal der Bildung einer neuen Regionalregierung. Die Demokratischen Unionisten (DUP) müssten einen Kandidaten für den Posten eines stellvertretenden Regierungschefs nominieren. Das wollen sie aber nur tun, wenn das zwischen der EU und London ausgehandelte Nordirland-Protokoll verändert wird.

          Angst vor der Vereinigung Irlands

          Es wäre gut, wenn die DUP endlich zur Kenntnis nähme, dass es in Nordirland (im Gegensatz zu England und Wales) nie eine Mehrheit für den EU-Austritt gegeben hat. Zweitens müsste die Partei erkennen, dass eine Blockade nur den Moment näherbringt, den viele Protestanten noch mehr fürchten als die Schwierigkeiten, die das Nordirland-Protokoll für die Wirtschaft der Provinz bei ihren Kontakten zum Rest Großbritanniens gebracht hat.

          Wer in der EU bleiben will, wird sich vermutlich über kurz oder lang mit dem Gedanken einer Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland anfreunden. Die Saat des Brexit beginnt aufzugehen. Seine Befürworter wollen es nur nicht wahrhaben.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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