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Nach Wahl in Kenia : Opposition spricht von Wahlbetrug – vier Tote

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Präsident Kenyatta hat die Wahl in Kenia gewonnen. In Nairobi und im Westen des Landes kommt es daraufhin zu blutigen Auseinandersetzungen. Und Vorwürfe der Opposition verstummen nicht.

          Bei Protesten gegen die sich abzeichnende Wiederwahl von Präsident Uhuru Kenyatta hat die Polizei in Kenia am Mittwoch insgesamt vier Menschen erschossen. In der Hauptstadt Nairobi töteten Beamte nach Polizeiangaben zwei regierungskritische Demonstranten mit Schüssen, in der Stadt Hula im Südosten erschossen Polizisten zwei Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an einem Auszählungsbüro. Die Beamten hätten in allen Fällen in Notwehr gehandelt, erklärte die Polizei.

          Der Polizeipräsident von Nairobi, Japheth Koome, gab bekannt, dass in der Hauptstadt zwei Demonstranten von Beamten erschossen worden seien. Demnach hätten sie die Sicherheitskräfte mit Macheten attackiert. In der Stadt Hula drangen nach Polizeiangaben fünf Männer in ein Auszählungsbüro ein und stachen mit Messern auf Menschen ein. Dabei hätten sie einen Menschen ernsthaft verletzt. Die Polizei habe das Feuer eröffnet und zwei der Angreifer getötet.

          Die Wahlkommission in Kenia hat Vorwürfe der Opposition zurückgewiesen, es habe einen Hackerangriff zugunsten der Regierungspartei gegeben. Weder vor, während, noch nach der Wahl habe es einen Angriff von außen oder innen auf das gesicherte System gegeben, sagte der Exekutivdirektor der Wahlkommission, Ezra Chiloba, am Mittwochabend.

          Oppositionsführer Raila Odinga hatte zuvor von „Betrug“ und einem kriminellen Hackerangriff auf das Wahlsystem des Landes gesprochen. Er bemängelte, dass keine Nachweise für die veröffentlichten Auszählungsergebnisse vorgelegt worden seien. Er forderte unter anderem Sitzungsprotokolle aus den Wahllokalen. Kenyattas Partei Jubilee wies die Betrugsvorwürfe zurück. Der Vorsitzende von Kenias Wahlkommission, Wafula Chebukati, sprach von „freien und fairen“ Wahlen. Er kündigte jedoch an, den Betrugsvorwürfen der Opposition nachzugehen. Zugleich forderte er die Kenianer auf, die endgültigen Ergebnisse abzuwarten; für deren Veröffentlichung haben die Wahlbehörden eine Woche Zeit.

          Kenyatta hat rund zehn Prozent Vorsprung

          Nach dem Urnengang vom Dienstag zeichnet sich die Wiederwahl von Präsident Uhuru Kenyatta mit einem etwa zehnprozentigen Vorsprung vor dem ehemaligen Regierungschef Odinga ab. Die beiden sind seit langem verfeindet. Odinga beschuldigte den Präsidenten schon vor der Abstimmung, das Wahlergebnis fälschen zu wollen. Der 72-jährige Oppositionsführer, der zum vierten Mal antrat, hatte schon bei vorherigen Wahlen den Sieg vergeblich für sich reklamiert.

          Auch in der Oppositionshochburg Kisumu im Westen Kenias lieferten sich Demonstranten gewaltsame Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab und ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Protestierenden vor. Die Zusammenstöße schürten die Sorge vor einer Ausweitung der Gewalt. Vor zehn Jahren war Kenia nach einem knappen Wahlausgang von blutigen Unruhen mit mehr als 1100 Toten erschüttert worden. 600.000 Menschen waren damals vertrieben worden.

          Kenia, eine der größten Wirtschaftsnationen in Ostafrika, gründet seinen Wohlstand vor allem auf den Tourismus. Besonders beliebt sind bei Reisenden die tropischen Strände des Landes. Nach islamistischen Anschlägen im Osten Kenias und in Nairobi hatten mehrere Länder Reisewarnungen für das Land ausgegeben.

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